{"id":11293,"date":"2022-11-25T13:06:44","date_gmt":"2022-11-25T12:06:44","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11293"},"modified":"2022-11-25T13:06:44","modified_gmt":"2022-11-25T12:06:44","slug":"hineingedrungen-metall-reicht-tiefer-als-plastik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11293","title":{"rendered":"Hineingedrungen: Metall reicht tiefer als Plastik"},"content":{"rendered":"<p>Metall dringt tiefer in Auenb\u00f6den ein als Plastik. Das hat ein fach\u00fcbergreifendes Forschungsteam an der Nidda herausgefunden. <!--more--><br \/>\nKunststoffe und Metalle verteilen sich unterschiedlich in den B\u00f6den von Flussauen: W\u00e4hrend Plastikpartikel sich in den obersten Bodenschichten konzentrieren, finden sich Metalle bis in eine Tiefe von zwei Metern.<br \/>\nDas hat eine Forschungsgruppe aus der Marburger Geographie und Physik entlang der Nidda festgestellt. Dieser Fluss verl\u00e4uft durch Hessen. Das Team berichtet im Fachblatt &#8222;Microplastics and Nanoplastics&#8220; \u00fcber seine Ergebnisse.<br \/>\nDie Nidda entspringt im Vogelsberg und m\u00fcndet im Stadtgebiet von Frankfurt in den Main. Sie flie\u00dft vom l\u00e4ndlichen Oberlauf \u00fcber Ackerland bis zur urbanisierten M\u00fcndung und ist somit typisch f\u00fcr Zentraleuropa.<br \/>\n&#8222;In Flussauen lagern sich aufgrund ihrer \u00dcbergangslage zwischen Fluss und Land bei \u00dcberschwemmungen unterschiedliche Schadstoffe ab, etwa giftige Metalle aus der Industrie&#8220;, erkl\u00e4rte der Marburger Geograph Prof. Dr. Peter Chifflard. Er ist einer der Leitautoren der aktuellen Studie. Auch Plastikpartikel unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe finden sich in Auenb\u00f6den.<br \/>\nSomit kann es in Auenb\u00f6den zu verschiedenen Wechselwirkungen zwischen Kunststoffteilchen und Metallen kommen. Das geschieht zum Beispiel, wenn Metallzus\u00e4tze aus Kunststoffen herausgel\u00f6st werden oder wenn sich umgekehrt Metalle aus dem Boden an Kunststoffoberfl\u00e4chen anreichern, was so oder so das Verhalten potentiell giftiger Metalle ver\u00e4ndert.<br \/>\n&#8222;Will man einsch\u00e4tzen, welche dieser Prozesse im Boden stattfinden, muss man erst einmal wissen, wie Metalle und Plastik verteilt sind&#8220;, gab Erstautor Dr. Collin J. Weber zu bedenken, der seine Doktorarbeit am Fachbereich Geographie der Philipps-Universit\u00e4t anfertigte und seit Kurzem als Wissenschaftler an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt arbeitet. Doch insbesondere zur vertikalen Verteilung dieser Verunreinigungen &#8211; also zur Frage, in welchen Bodenschichten der Flussauen sie auftreten &#8211; gab es bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen.<br \/>\nUm das zu \u00e4ndern, taten sich die Geographen mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Koch aus der Marburger Physik zusammen. Das Team nahm Bodenproben an 20 Stellen entlang der Nidda und analysierte sie im Labor auf Verunreinigungen mit Plastikpartikeln und verschiedenen Metallen wie zum Beispiel Chrom, Nickel, Kupfer, Zink, Blei und weiteren.<br \/>\nDabei stellte das Forschungsteam kein auff\u00e4lliges Verteilungsmuster in der Fl\u00e4che fest. Metalle und Kunststoffpartikel sind horizontal gleichm\u00e4\u00dfig verteilt. Aber im vertikalen Auftreten gibt es deutliche Unterschiede zwischen Metall und Plastik.<br \/>\n&#8222;Die unteren Bodenschichten enthalten deutlich weniger Plastik als die h\u00f6heren Schichten und die Oberfl\u00e4che&#8220;, konstatierte das Team. &#8222;Es gibt ein Maximum in den obersten 10 Zentimetern.&#8220; Darunter nimmt die Menge des gefundenen Kunststoffs kontinuierlich ab.<br \/>\nAuf der Oberfl\u00e4che fand die Forschungsgruppe immer wieder \u00dcberreste von Konsumartikeln &#8211; das achtlose Wegwerfen von Verbrauchsgegenst\u00e4nden und Verpackungsm\u00fcll scheint also eine Quelle der Verschmutzung mit Kunststoffen zu sein.<br \/>\nDoch w\u00e4hrend sich bei Plastik ein klarer Unterschied zwischen h\u00f6heren und tieferen Bodenschichten zeigt, reichern sich Metalle erst unterhalb von 40 Zentimetern in zwei oder drei Lagen an. &#8222;Die Metallverunreinigung tritt geh\u00e4uft in einer Tiefe von 30 bis 40 Zentimetern auf sowie nochmals bei 75 bis 100 Zentimetern&#8220;, berichtete Weber. Vermutlich sei das auf Metalle zur\u00fcckzuf\u00fchren, die an Sedimente gebunden sind.<br \/>\n&#8222;Das vertikale Muster der Verunreinigungen deutet auf eine Abfolge von \u00e4lteren Metall- und j\u00fcngeren Kunststoffablagerungen in den untersuchten Auenb\u00f6den hin&#8220;, fasst Chifflard zusammen. &#8222;Dies l\u00e4sst vielleicht auf unterschiedliche Ablagerungszeitr\u00e4ume und Mobilit\u00e4ten in den Auenb\u00f6den r\u00fcckschlie\u00dfen.&#8220;<br \/>\nChifflard lehrt Bodengeographie und Hydrogeographie an der Philipps-Universit\u00e4t. Neben seiner Arbeitsgruppe und einem Team um den Marburger Physiker Koch beteiligte sich der Geograph Prof. Dr. Christian Opp von der Philipps-Universit\u00e4t an den Forschungsarbeiten. Das Hessische Landesamt f\u00fcr Naturschutz, Umwelt und Geologie sowie die Nachwuchsakademie MARA der Philipps-Universit\u00e4t f\u00f6rderten die Forschungsarbeit finanziell.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Metall dringt tiefer in Auenb\u00f6den ein als Plastik. 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