{"id":11183,"date":"2022-11-10T16:41:24","date_gmt":"2022-11-10T15:41:24","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11183"},"modified":"2022-11-10T16:41:24","modified_gmt":"2022-11-10T15:41:24","slug":"besonnene-verantwortung-besinnungsstunde-zum-9-november","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11183","title":{"rendered":"Besonnene Verantwortung: Besinnungsstunde zum 9. November"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wir tragen die Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer als lebende Erz\u00e4hlung zu erhalten.&#8220; Diese Forderung pr\u00e4gte die Besinnungsstunde zum 9. November. <!--more--><br \/>\nAnl\u00e4sslich der Novemberpogrome von 1938 veranstalteten der Magistrat der Universit\u00e4tsstadt Marburg, die Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit und die J\u00fcdische Gemeinde am Mittwoch (9. November) wieder die allj\u00e4hrliche Besinnungsstunde im Garten des Gedenkens. An der Synagogen-Gedenkst\u00e4tte wurde der j\u00fcdischen Menschen gedacht, die Opfer nationalsozialistischer Gewalt wurden. Die Gedenkenden versammelten sich vor Ort an der Universit\u00e4tsstra\u00dfe.<br \/>\n&#8222;Der 9. November ist ohne jeden Zweifel einer der zentralen Tage der deutschen und auch der Marburger Geschichte&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies w\u00e4hrend der Besinnungsstunde, zu der sich die Menschen am 9. November im Garten des Gedenkens versammelten. &#8222;Was hier an jenem Tage 1938 geschah, was Marburger*innen anderen Menschen antaten, war ein Verbrechen, so geschichtsvergessen wie grausam. Vorurteile, Hass und die feige Suche nach einem S\u00fcndenbock, gipfelten in Gewalt.&#8220;<br \/>\nBereits vor Beginn der Besinnungsstunde gab es die M\u00f6glichkeit, den ganzen Tag \u00fcber Blumen und Kerzen im Garten des Gedenkens niederzulegen oder aufzustellen, um ganz pers\u00f6nlich und individuell im Stillen zu erinnern. In seiner Rede verlas OB Spies Augenzeugenberichte, die von den Ereignissen der Pogromnacht erz\u00e4hlen.<br \/>\n&#8222;Diese Berichte sind schwer zu ertragen und doch n\u00f6tig&#8220;, erkl\u00e4rte Spies. &#8222;Sie lassen uns den Hass, den Schmerz, die Angst, Not und Brutalit\u00e4t sp\u00fcren und deshalb k\u00f6nnen wir uns ihnen nicht entziehen, ihnen nicht entrinnen. Und das ist gut so, denn es liegt in unserer Verantwortung, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, dass die Erinnerung an die Opfer nicht zu abstrakten Zahlen verkommt, sondern als lebende Erz\u00e4hlung erhalten bleibt.&#8220;<br \/>\nSebastian Sack von der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit betonte: &#8222;Diejenigen, die in jener Nacht 1938 Gewalt und Hass erfahren haben, waren Br\u00fcder und Schwestern, M\u00fctter und V\u00e4ter, T\u00f6chter und S\u00f6hne, Freunde und Nachbarn &#8211; kurz: Es waren Menschen und damit ein Teil von uns. Doch wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass auch die T\u00e4ter*innen und Mitl\u00e4ufer*innen aus der Mitte unserer Gesellschaft kamen.&#8220;<br \/>\nSack bekr\u00e4ftigte, wie wichtig es sei, nicht wegzusehen und sich klar gegen Hass, Rassismus und jegliche Form der Diskriminierung zu positionieren, nicht zu schweigen. Schlie\u00dflich habe es damals so h\u00e4ufig gehei\u00dfen &#8222;Ich habe von nichts gewusst&#8220;. Der Tag des 9. Novembers sei &#8222;ein Tag der Mahnung und der Warnung, dass sich das niemals wiederholt&#8220;.<br \/>\nDen Gedenkkranz der Stadt Marburg legten Spies und Sack gemeinsam nieder und gedachten der Opfer in Stille. Im Anschluss sprachen Ehrenb\u00fcrger Amnon Orbach gemeinsam mit Thorsten Schmermund die j\u00fcdischen Gebete &#8222;El male rachamim&#8220; und &#8222;Kadisch&#8220;. Die Gebete f\u00fcr die Verstorbenen verlas Schmermund auch in deutscher \u00dcbersetzung.<br \/>\nDie Zettelk\u00e4sten wurden in diesem Jahr von dem Fachdienst Kultur der Stadt Marburg best\u00fcckt und von Christian Ahlborn vorgetragen. In diesem Jahr thematisierten die eingereichten Beitr\u00e4ge den Garten des Gedenkens selbst und seine Funktion als Ort der Erinnerung.<br \/>\nSo lautet einer der Beitr\u00e4ge: &#8222;Wenn ich was \u00fcber Juden erfahren will, gehe ich ins Museum oder auf den Friedhof. Das habe ich schon etliche Male geh\u00f6rt. Und das greift hier nicht. Hier geht es nicht nur um tote Juden. Hier war ein Ort j\u00fcdischen Lebens und heute ist es ein lebendiger Ort, ein Aufenthaltsort, ein Mitmach-Ort und ein \u00fcber rein historisierendes Gedenken hinausweisender Ort. Das macht ihn besonders.&#8220;<br \/>\nie musikalische Begleitung der Besinnungsstunde \u00fcbernahm der Musikleistungskurs der Martin-Luther-Schule. Die Besinnungsstunde ist ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur in Marburg. Zahlreiche Teilnehmende finden sich normalerweise allj\u00e4hrlich am 9. November an der Synagogen-Gedenkst\u00e4tte ein, um an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt zu erinnern.<br \/>\nUm den 9. November 1938 wurden in Deutschland Synagogen und j\u00fcdische Gesch\u00e4fte in Brand gesteckt, zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt. Das Ziel der Besinnungsstunde ist, dieses Geschehen und die Opfer nicht zu vergessen.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir tragen die Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer als lebende Erz\u00e4hlung zu erhalten.&#8220; Diese Forderung pr\u00e4gte die Besinnungsstunde zum 9. November.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[2],"tags":[354,2089,2881],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2Un","jetpack-related-posts":[{"id":5947,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=5947","url_meta":{"origin":11183,"position":0},"title":"Aktiv gegen Antisemitismus: Diesmal digitales Gedenken der shoa","date":"3. November 2020","format":false,"excerpt":"Zur Erinnerung an die Opfer der Pogromnacht 1938 gibt es am Montag (9. November) ein gemeinsames Gedenken per Live-Stream. Das hat die Stadt Marburg am Dienstag (3. November) mitgeteilt. 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