{"id":11175,"date":"2022-11-09T14:36:04","date_gmt":"2022-11-09T13:36:04","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11175"},"modified":"2022-11-09T14:36:04","modified_gmt":"2022-11-09T13:36:04","slug":"forschung-2022-der-beginn-des-star-systems-im-deutschen-kino","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11175","title":{"rendered":"Forschung 2022: Der Beginn des Star-Systems im deutschen Kino"},"content":{"rendered":"<p>In Frankfurt lancierten deutsche Filmh\u00e4ndler vor 111 Jahren das Starsystem &#8211;<br \/>\nHollywood zog nach. Ein Projekt der Universit\u00e4ten in Trier und Marburg hat zu der Schauspielerin Asta Nielsen und dem Beginn des Starsystems geforscht, das noch heute die Vermarktung von Filmen pr\u00e4gt <!--more--><br \/>\nEnde Mai 1911 unterschrieb Asta Nielsen in Frankfurt am Main einen epochalen Exklusiv-Vertrag \u00fcber 30 Langspielfilme. Die Kinos sollen eine Stummfilmserie mit Asta Nielsen in der Hauptrolle im Voraus blind buchen, ohne dass sie etwas \u00fcber den Inhalt der Filme wissen. So startete in Frankfurt am Main das Starsystem, das die Vermarktung von Langspielfilmen bis heute pr\u00e4gt.<br \/>\nEin Filmunternehmen bindet eine Schauspielerin oder einen Schauspieler langfristig vertraglich an sich und profitiert von dem Glanz des verpflichteten Stars. Die ma\u00dfgeblichen Vertragspartner und Finanziers Nielsens waren Christoph M\u00fclleneisen und Paul Davidson. Das waren zwei Filmverleiher und Kinobetreiber aus K\u00f6ln beziehungsweise Frankfurt.<br \/>\nEin DFG-gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt der Philipps-Universit\u00e4t und der Universit\u00e4t Trier kam zu dem Ergebnis, dass entgegen g\u00e4ngiger Annahmen weder der Filmstar als weltweites Zugpferd des Kinogesch\u00e4fts noch das Block- und Blindbuchen in Hollywood erfunden wurden.<br \/>\n&#8222;Die in Berlin produzierten Asta Nielsen-Monopolfilm-Serien hatten Pioniercharakter, erkl\u00e4rte Forschungsprojektleiter Prof. Dr. em. Martin Loiperdinger von der Universit\u00e4t Trier. &#8222;Europ\u00e4ische Filmm\u00e4rkte waren in den fr\u00fchen 1910er-Jahren die Vorreiter des Starsystems im langen Spielfilm.&#8220;<br \/>\nCo-Projektleiterin Prof. Dr. Yvonne Zimmermann von der Philipps-Universit\u00e4t erg\u00e4nzte: &#8222;Asta Nielsen war der erste weltweite Filmstar des Langspielfilms. Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen, dass es in Deutschland und \u00d6sterreich-Ungarn in relevantem Ausma\u00df gelungen ist, den angestrebten Verkauf der Spielfilmserien mit Asta Nielsen in der Hauptrolle im Modus des Block- und Blindbuchens zu realisieren.&#8220;<br \/>\nGemeinsam mit den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Friederike Grimm und Victor Chavez sowie zahlreichen studentischen Hilfskr\u00e4ften wurden in den vergangenen vier Jahren im Rahmen des Projekts Presseanzeigen zu den Filmen von Asta Nielsen aus den Jahren 1911 bis 1914 zusammengetragen und ausgewertet. Als assoziierte Wissenschaftlerin beteiligte sich Julie K. Allen von der Brigham Young University in Provo, USA, an der Forschungsarbeit des Projekts.<br \/>\nDas Ziel des Forschungsteams war, den Vertrieb und die Auff\u00fchrung der drei Asta Nielsen-Monopolfilm-Serien in den Kinosaisons 1911\/12 bis 1913\/14 auf den Heimatm\u00e4rkten Deutschland und \u00d6sterreich-Ungarn sowie auf den Auslandsm\u00e4rkten Gro\u00dfbritannien, Australien und Neuseeland soweit m\u00f6glich zu rekonstruieren. &#8222;Die Art, wie Asta Nielsen in den Anzeigen unter anderem mit Portr\u00e4tfotos und Werbeattributen in Szene gesetzt wurde, zeigt, wie der Verleih auf lokale Werbebed\u00fcrfnisse der Kinos einging&#8220;, sagte Zimmermann.<br \/>\nF\u00fcr Gro\u00dfbritannien k\u00f6nnen die Forschenden mangels ausreichender Kinoanzeigen in der britischen Lokalpresse nicht abschlie\u00dfend sagen, wie viele Kinos die Serien mit Asta Nielsen im Voraus gebucht haben. Jedoch k\u00f6nnen sie nachweisen, dass die Asta Nielsen-Serien auch dort wesentlich zur Durchsetzung des Langspielfilms als dominierendes Format der Kinounterhaltung beigetragen haben. Filme mit Asta Nielsen waren auch in Australien und Neuseeland au\u00dferordentlich beliebt.<br \/>\nMehr als 16.000 Werbeanzeigen und weitere Materialien zu Filmen mit Asta Nielsen k\u00f6nnen online in der &#8222;Importing Asta Nielsen Database (IANDb)&#8220; abgerufen werden unter <a href=\"https:\/\/importing-asta-nielsen.online.uni-marburg.de\">importing-asta-nielsen.online.uni-marburg.de<\/a>. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde die Datenbank ma\u00dfgeblich erweitert.<br \/>\nDie wichtigsten Projektergebnisse sind publiziert als Sonderheft der Zeitschrift &#8222;Early Popular Visual Culture&#8220;. Herausgegeben wurden sie von Yvonne Zimmermann unter dem Titel &#8222;Asta Nielsen, the Film Star System and the Introduction of the Long Feature Film&#8220;.<br \/>\nAm Sonntag (20. November) werden die Ergebnisse des Forschungsprojekts &#8222;Asta Nielsen &#8211; der internationale Filmstar und die Einf\u00fchrung des Starsystems 1911-1914&#8220; um 11 Uhr in einer <a href=\"https:\/\/www.dff.film\/veranstaltung\/der-fremde-vogel\/\">Matinee im Kino des Deutschen Filmmuseums<\/a> in Zusammenarbeit mit der Kinothek Asta Nielsen in Frankfurt am Main vorgestellt. Vorgef\u00fchrt wird der Asta Nielsen-Film &#8222;Der fremde&#8220; Vogel von 1911. Die Begleitung am Klavier erfolgt durch Maud Nelissen.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Frankfurt lancierten deutsche Filmh\u00e4ndler vor 111 Jahren das Starsystem &#8211; Hollywood zog nach. Ein Projekt der Universit\u00e4ten in Trier und Marburg hat zu der Schauspielerin Asta Nielsen und dem Beginn des Starsystems geforscht, das noch heute die Vermarktung von <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=11175\">weiterlesen  <span class=\"screen-reader-text\">  Forschung 2022: Der Beginn des Star-Systems im deutschen Kino<\/span><span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,3],"tags":[1330,1486,4551],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2Uf","jetpack-related-posts":[{"id":10077,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=10077","url_meta":{"origin":11175,"position":0},"title":"G\u00fcnstiger genie\u00dfen: HLTM-Kulturticket als Flatrate f\u00fcr Studis","date":"6. 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