{"id":11069,"date":"2022-10-29T16:17:29","date_gmt":"2022-10-29T14:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11069"},"modified":"2022-10-29T16:17:29","modified_gmt":"2022-10-29T14:17:29","slug":"schluss-mit-droege-mittelalterliche-literatur-spannend-erzaehlt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11069","title":{"rendered":"Schluss mit dr\u00f6ge: Mittelalterliche Literatur spannend erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eWie eine mittelalterliche hessische Schnitzeljagd\u201c ist das Buch \u201eMApentiure Hessen\u201c. Bei einer Lesung wurden Zuh\u00f6rer mitgenommen auf eine Reise zu den unterschiedlichsten literarischen Orten des Mittelalters. Sie alle befinden sich in der N\u00e4he von Marburg.<\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Geschrieben wurde \u201eMApentiure Hessen: Auf den Spuren mittelalterlicher Literatur\u201c von insgesamt 30 Autorinnen und Autoren. Zusammen haben sie 43 Texte verfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauptverantwortliche ist Prof. Dr. Nathanael Busch, Medi\u00e4vistik-Professor an der Philipps-Universit\u00e4t. Zusammen mit Co-Autorin Antonia Krihl stellte er das Buch in Kooperation mit dem Literaturforum Marburg am Freitag (28. Oktober) im Historischen Saal des Rathauses vor.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Wort \u201eMApentiure\u201c sind mehrere Begriffe versteckt, wie Busch erkl\u00e4rte. Darin enthalten ist die Abk\u00fcrzung \u201eMA\u201c f\u00fcr Mittelalter, und \u201eaventiure\u201c, das mittelhochdeutsche Wort f\u00fcr \u201eAbenteuer\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die Worte \u201emap\u201c (Englisch f\u00fcr \u201eKarte\u201c) und \u201eApp\u201c kann man darin entdecken. Zu dem Buch wurde n\u00e4mlich in Zusammenhang mit einer dazugeh\u00f6rigen App entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept der App basiert auf einer GPS-Karte Hessens. Besucht man mittelalterliche Sehensw\u00fcrdigkeiten des Bundeslands werden einem dazu Informationstexte und Tipps zur Umgebung angezeigt. Das geschieht aber nur, wenn man sich wirklich an dem Ort befindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch als Studierende Buschs die App austesten wollten, und daf\u00fcr beispielsweise nach Braunfels oder Fritzlar reisten, wurden ihnen nur eine Fehlermeldung angezeigt. Derzeit wird also noch an der Funktionalit\u00e4t gearbeitet. \u201eDie Kulturtechnik des Buches ist zu einer Perfektion gekommen, die die App wohl noch nicht erreicht hat\u201c, meinte Busch dazu. Immerhin wurden von dem Buch MApentiure bereits 800 Exemplare verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn jemand eine Reise tut, so kann er was erz\u00e4hlen\u201c, zitierte Krihl den Dichter Matthias Claudius. Dass Menschen von ihrer Reise berichten m\u00f6chten, ist kein Ph\u00e4nomen der sozialen Medien. Auch im Mittelalter wurden schon Reisen in Briefen und Reiseberichten zusammengefasst, die zu Hause mit gro\u00dfer Begeisterung aufgenommen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine beliebte Reiseroute ging beispielsweise \u00fcber Rom, Venedig, Zypern, Jerusalem und \u00c4gypten. Auf dem Weg sammelte man manchmal Abl\u00e4sse oder sogar Ritterschl\u00e4ge, wie Krihl aus MApentiure vorlas. Aber auch Entdeckungsreisen zum \u201eEnde der Welt\u201c haben einige wagemutige Abenteurer im sp\u00e4ten Mittelalter unternommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Reisende, den Krihl vorstellte, war Dietrich von Schachten aus Grevenstein, der sich auf \u201eeine f\u00fcrstliche Pilgereise\u201c begab. In Venedig bewunderte er die Gondola-Fahrten und vor allem die Kleidung der Venezianerinnen. In Jerusalem unterlag sein Programm der strikten Planung der Franziskaner-M\u00f6nche, bei denen er und seine Reisegruppe unterkamen. \u00c4hnlich wie eine Reisegruppe heute wurden sie von einer Sehensw\u00fcrdigkeit zur n\u00e4chsten gescheucht, es blieb keine Zeit f\u00fcr individuelle Entdeckungen der heiligen Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Landsknecht Hans Staden aus Homberg (Efze) und Wolfhagen zog es im 16. Jahrhundert in erst k\u00fcrzlich \u201eentdeckte\u201c Gebiete in Brasilien. Dort wurde er von Einheimischen gefangen genommen, und f\u00fcrchtete schon sein Ende durch Kannibalismus, doch konnte sich durch Einfallsreichtum befreien und davonkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie sehen aus wie hierzulande, nur dass sie alle braun seyen\u201c, schrieb Stader \u00fcber die Einheimischen. Au\u00dferdem merkte er an, dass sie keine Kleidung trugen und sich mit Federn beh\u00e4ngten. Sein ausf\u00fchrlicher Bericht \u00fcber die Flora und Fauna sowie die Einheimischen war der erste seiner Art. In Brasilien ist er heute noch bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Universit\u00e4tsgeschichte Hessens wird in MApentiure aufgegriffen. \u201eIm Historischen haben wir nat\u00fcrlich die Nase vorn\u201c sagte Busch \u00fcber die Universit\u00e4ten Marburg und Gie\u00dfen, die bereits seit dem 16. und 17. Jahrhundert bestehen. Zu ihnen reiht sich jedoch eine weitere fr\u00fchneuzeitliche Universit\u00e4t, die heute nicht mehr existiert.<\/p>\n\n\n\n<p>1584 gegr\u00fcndet wurde die \u201eHohe Schule\u201c im mittelhessischen Kleinst\u00e4dtchen Herborn. Klein ist Herborn geblieben, hatte zu Lehrzeiten aber \u201egigantisch viele Studenten\u201c aus der ganzen Welt, wie Busch erz\u00e4hlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinen modernen Methoden der Didaktik soll der Professor Jan Amos Comenius dort auch das moderne Lehrbuch erfunden haben. \u201eAlles ist didaktisch dort\u201c, schrieb ein Herborner Student begeistert nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich behandelt MApentiure auch eine mittelalterliche Geschichte aus Marburg, allerdings mit einem literarischen Helden, den man hier eher weniger vermuten w\u00fcrde. Er nannte sich Till Eulenspiegel. Auf einer Rundreise durch Europa von einem Hof zum n\u00e4chsten machte Eulenspiegel laut den 1510 verfassten Volksbuchs auch beim Landgrafen von Hessen in Marburg halt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er gab sich als Maler aus und wurde vom Landgrafen angeheuert, ein Familienportrait zu erstellen. Daf\u00fcr bekam er Geld vom Grafen und stellte Malergesellen an, allerdings wurde keine Sekunde an einem Portrait gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Landgraf das Portrait betrachten wollte, erkl\u00e4rte Eulenspiegel, dass jeder der unehelich ist, nichts darauf erkennen wird. Der Landgraf und seine G\u00e4ste standen vor der wei\u00dfen Leinwand und \u201ebewunderten\u201c Eulenspiegels Werk. Als eine N\u00e4rrin den Betrug auffliegen lie\u00df, war Eulenspiegel allerdings l\u00e4ngst \u00fcber alle Berge, berichtete Busch.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Geschichten wie diese zu literarischen Ph\u00e4nomenen in ganz Hessen werden in MApentiure aufgefasst. Der Leser begibt sich auf eine Rundreise, von Helmershausen im Norden, wo das teuerste Buch der Welt herkommt (das Evangeliar Richard des L\u00f6wen), bis nach Neckarsteinach im s\u00fcdlichsten Zipfel, wo ein Minnes\u00e4nger leider nicht das Nibelungenlied verfasste. Ein kleinen Vorgeschmack auf diese Reise gab bereits die Buchvorstellung im Historischen Saal.<\/p>\n\n\n\n<p>*Laura Schiller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWie eine mittelalterliche hessische Schnitzeljagd\u201c ist das Buch \u201eMApentiure Hessen\u201c. Bei einer Lesung wurden Zuh\u00f6rer mitgenommen auf eine Reise zu den unterschiedlichsten literarischen Orten des Mittelalters. 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