{"id":1089,"date":"2017-09-08T13:30:37","date_gmt":"2017-09-08T11:30:37","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=1089"},"modified":"2017-09-08T13:30:37","modified_gmt":"2017-09-08T11:30:37","slug":"unmoeglich-evangelikal-ringlokschuppen-soll-an-fusionierte-bietergemeinschaft-gehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=1089","title":{"rendered":"Unm\u00f6glich evangelikal: Ringlokschuppen soll an fusionierte Bietergemeinschaft gehen"},"content":{"rendered":"<p>Die Schneider-Gruppe und die Christmann + Pfeifer DLS GmbH &amp; Co. KG sollen den historischen Ringlokschuppen \u00fcbernehmen. Das st\u00e4dtische Auswahlgremium empfiehlt dem Stadtparlament nun ihr gemeinsam \u00fcberarbeitetes Konzept. <!--more--><br \/>\nDie Universit\u00e4tsstadt Marburg will den in Bausubstanz gef\u00e4hrdeten Lokschuppen des Marburger Waggonhallenareals passend zum kulturellen Umfeld erhalten. Deshalb hat das breit aufgestellte Auswahlgremium am Donnerstag (7. September) auf Einladung der Stadt erneut \u00fcber das Konzept und die Gebote f\u00fcr das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude beraten.<br \/>\nDie beiden nun empfohlenen Unternehmen hatten im Rahmen der st\u00e4dtischen Konzeptausschreibung zun\u00e4chst konkurrierende Gebote eingereicht. Dabei gingen sie im Mai als Sieger aus der ersten Runde des Verfahrens hervor. Die erfolgreichen Einzelkonzepte des Optik-Unternehmens Schneider sowie des Unternehmens C+P mit Kreativunternehmen aus Marburg waren beide vom Auswahlgremium bei nur geringem Abstand als besonders geeignet angesehen und dem Stadtparlament empfohlen worden.<br \/>\nZur Bietergemeinschaft von Schneider hatte damals noch der Christus-Treff geh\u00f6rt. Nun scheidet er als Bieter oder Eigent\u00fcmer aus.<br \/>\nJetzt arbeiten die beiden Erstplatzierten Schneider und C+P als Bietergemeinschaft &#8222;Drehscheibe Lokschuppen GbR&#8220; zusammen. Im gew\u00e4hlten Verfahren ist die konzeptionelle Ausrichtung und nicht der Preis das ausschlaggebende Kriterium f\u00fcr die Vergabe.<br \/>\nDie Stadt hatte das Geb\u00e4ude von der Bahn in einem denkbar schlechten baulichen Zustand \u00fcbernommen und notwendige Sicherungsarbeiten durchgef\u00fchrt. Derzeit besteht dringender Handlungsbedarf, denn erforderlich sind f\u00fcr den gew\u00fcnschten Erhalt Investitionen in zweistelliger Millionenh\u00f6he.<br \/>\nLaut Baudirektor J\u00fcrgen Rausch haben Bund und Land die f\u00fcr die Kommunen verf\u00fcgbaren Mittel des St\u00e4dtebauf\u00f6rderprogramms so stark ausged\u00fcnnt, dass eine Sanierung in Eigenregie nicht m\u00f6glich ist. Kommunen, die denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude erhalten wollen, greifen laut Rausch deshalb sehr oft darauf zur\u00fcck, die Geb\u00e4ude im Rahmen der Stadtsanierung mit dem Ziel anzukaufen, sie zum Erhalt und zur Standortentwicklung weiter zu ver\u00e4u\u00dfern. Das sei somit keine Marburger Besonderheit.<br \/>\nDie Schneider Gruppe sowie C+P hatten sich noch im laufenden Auswahlverfahren f\u00fcr eine Kooperation entschieden und die Stadt Marburg gebeten, ihren Vorschlag entsprechend \u00fcberarbeiten zu k\u00f6nnen, um bestehende W\u00fcnsche und Forderungen verschiedener Interessengruppen in der Stadt zu integrieren sowie laut Schneider &#8222;das Beste aus zwei Konzepten zu einem noch besseren Dritten zusammenzuf\u00fcgen&#8220;. Aufgrund des Anliegens der neuen Kooperation hatte die Stadtverordnetenversammlung (StVV) im Juni ihren Beschluss \u00fcber die Vergabe vertagt. Die M\u00f6glichkeit zur Nachbesserung wurde den beiden Erstplatzierten sowie auch den beiden weiteren Bewerbern &#8211; dem F\u00f6rderverein Lokschuppen und der Kling GmbH &#8211; mit Frist bis Freitag (25. August) einger\u00e4umt.<br \/>\nIm Auswahlgremium sind neben Magistrat und Verwaltung im Rahmen der B\u00fcrgerbeteiligung Anwohner, Nutzer, fachkundige Beir\u00e4te und alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung direkt beteiligt. Sie beurteilten im Mai vier vorliegende Gebote nach Kriterien wie Denkmalschutz, Architektur, Gestaltung, st\u00e4dtebaulichem Konzept und Art der Nutzung, nach Wirtschaftlichkeit, Realisierungszeitraum und energetischem Konzept (85 Punkte). In einem zweiten Schritt kam mit 15 Punkten der Preis des Angebots hinzu.<br \/>\nBeim Termin am Donnerstag waren vom Auswahlgremium somit nur die Aspekte neu zu bewerten, in denen sich Ver\u00e4nderungen zu den urspr\u00fcnglich eingereichten Angeboten ergeben hatten. Dabei lagen drei Gebote vor.<br \/>\nDas jetzt als einziges empfohlene Konzept &#8222;Drehscheibe Lokschuppen GbR&#8220; umfasst dabei die Sanierung des Lokschuppens durch Schneider und des benachbarten Werkstattgeb\u00e4udes durch C+P und Schneider.<br \/>\nMit einem &#8222;Kultur-, Kreativ- und Gr\u00fcnderzentrum soll der Lokschuppen als zentraler (Bahn)Knotenpunkt aufgegriffen und f\u00fcr die Marburger Bev\u00f6lkerung und dar\u00fcber hinaus entwickelt werden&#8220;, erkl\u00e4rt das von Schneider und C+P gemeinsam \u00fcberarbeitete Konzept. Die Bietergemeinschaft rechnet mit Kosten von rund 12,6 Millionen Euro. 6,6 Millionen davon entfallen auf die &#8222;Revitalisierung des Ringlokschuppens&#8220; und 6 Millionen Euro auf ein geplantes Hotel im Bereich des benachbarten Werkstattgeb\u00e4udes.<br \/>\nDer Denkmalschutz spielt im \u00fcberarbeiteten Konzept eine hervorgehobene Rolle: Das Historische soll harmonisch mit dem Neuem erg\u00e4nzt werden, so das Konzept, das von einer &#8222;wertsch\u00e4tzenden Sanierung&#8220; spricht. Fassade, Dachfl\u00e4che und die Innenraumdimensionen des Lokschuppens werden dabei laut Bietergemeinschaft als Ausdruck der ehemaligen Nutzung durch wenige Eingriffe erg\u00e4nzt und weitgehend erhalten. Baulich r\u00fcckt die urspr\u00fcnglich von C+P eingebrachte, vermietbare Fl\u00e4che f\u00fcr Start-ups, Marburger Kreativunternehmen und B\u00fcros innerhalb des Lokschuppens nun mehr in Richtung Werkstattgeb\u00e4ude. Die Idee: Der 1700 Quadratmeter gro\u00dfe Bereich befindet sich damit direkt gegen\u00fcber von Waggonhalle und Rotkehlchen, was die Kooperationsm\u00f6glichkeiten passend zum kulturellen Umfeld verbessert. Gl\u00e4serne Kuben mit offenen und geschlossenen Arbeitsbereichen, Ateliers und Co-Working-Spaces k\u00f6nnen im niedrigschwellig sanierten Bereich des Kreativ-<br \/>\nund Gr\u00fcnderzentrums individuell nach Bedarf angelegt werden und in Marburg Raum f\u00fcr Neugr\u00fcndungen und einen kreativen Austausch schaffen. Die G\u00e4nge zwischen den Kuben nehmen die vorhandenen Schienenverl\u00e4ufe in Richtung Drehscheibe auf, die Stahlkonstruktionen folgen der Struktur der Lokschuppensegmente.<br \/>\nDer von Schneider geplante gro\u00dfe Veranstaltungssaal mit jetzt 530 statt bisher 650 Pl\u00e4tzen wird im Gegenzug und im Unterschied zum bisherigen Konzept im Lokschuppengeb\u00e4ude in Richtung Kletterhalle verlagert. Damit entzerrt sich die Situation auf dem Areal.<br \/>\nW\u00e4hrend der Veranstaltungen entstehen so im Eingangsbereich weniger \u00dcberschneidungspunkte mit der Waggonhalle. Der Eingang wird zugleich besser vom Parkplatz aus erreichbar.<br \/>\nEin dreigeschossiger Einbau soll f\u00fcr den Veranstaltungsbereich &#8211; von au\u00dfen leicht zur\u00fcckgesetzt zur Bestandsfassade &#8211; erfolgen. Um den Einbau herum bleiben die historische Lokschuppenkonstruktion in besonderer Weise mit Original-H\u00f6he, -Tiefe und -L\u00e4nge sowie mit denkmalpflegerisch sanierter Dachtr\u00e4gerkonstruktion und sichtbarer Klinkeroptik erlebbar. Der Veranstaltungsbereich soll f\u00fcr non-profit, f\u00fcr kommerzielle sowie f\u00fcr private Personen und Organisationen mit Preisstaffelung &#8211; also f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke verg\u00fcnstigt &#8211; zu mieten sein.<br \/>\nIm Mittelteil des Lokschuppens ist eine Bio-Fairtrade-Gastronomie vorgesehen. Die &#8222;Drehscheibe Lokschuppen GbR&#8220; betonte dabei auf R\u00fcckfrage, dass man die Angebote und \u00d6ffnungszeiten mit dem benachbarten Rotkehlchen abstimmen wolle. Durch das Mehr k\u00f6nnten beide Seiten gewinnen, erkl\u00e4rte Schneider.<br \/>\nDas Werkstattgeb\u00e4ude will die Bietergemeinschaft in seinem Grundriss im Erdgeschoss erhalten. Ein Hotel mit 50 bis 60 Zimmern in den oberen Stockwerken soll die architektonischen Ideen des Lokschuppens aufgreifen. Die Zimmer sind im Budget-Design-Segment (2 Sterne) angesiedelt, um die Infrastruktur passend zur Kultur zu beleben und das knappe Hotelangebot in Marburg zu erg\u00e4nzen. Vorgesehen sind hier au\u00dferdem verschiedene Seminarr\u00e4ume.<br \/>\n&#8222;Das sind R\u00e4ume, bei denen ich mir gut vorstellen kann, dass auch ein angemessen gro\u00dfer Bereich barrierefrei f\u00fcr die Ortenberggemeinde zur Verf\u00fcgung gestellt werden kann&#8220;, erg\u00e4nzte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies am Donnerstag. F\u00fcr die bisherigen Mieter des Werkstattgeb\u00e4udes &#8211; eine Schreinerei und eine K\u00fcnstlerwerkstatt &#8211; sollen als Ersatz dem Zweck entsprechende R\u00e4ume im Umfeld des Lokschuppens geschaffen werden, versprach die Bietergemeinschaft.<br \/>\n\u00dcber der historischen Drehscheibe des Lokschuppens entf\u00e4llt im Gegensatz zur urspr\u00fcnglichen Planung von Schneider der vorgesehene Glasanbau. Sie bliebe damit als Freifl\u00e4che entsprechend der Identit\u00e4t der Bahnanlage bewahrt.<br \/>\nAuch eine R\u00fccktrittsklausel gegen\u00fcber der Stadt ist im gemeinsamen Angebot von Schneider und C+P nicht mehr vorgesehen. Das verbesserte Angebot gilt f\u00fcr das Gesamtensemble aus Lokschuppen und Werkstattgeb\u00e4ude.<br \/>\nGleichzeitig hat der Christus-Treff die Bietergemeinschaft verlassen. Er will f\u00fcr sonnt\u00e4gliche Gottesdienste den Veranstaltungsbereich und Teile des zum Hotel erweiterten Werkstattgeb\u00e4udes f\u00fcr Kinderbetreuung anmieten. An allen anderen Tagen steht der Eventbereich f\u00fcr andere Nutzer offen.<br \/>\nAuch die bereits an Mietfl\u00e4chen von C+P interessierten Ankermieter der Marburger Kreativunternehmen sind laut &#8222;Drehscheibe Lokschuppen GbR&#8220; in das Konzept integriert. Sie erhalten den ersten Zugriff.<br \/>\nAls Baubeginn nennt die Bietergemeinschaft, die laut Schneider langfristig Tr\u00e4ger bleiben will, bei einem Zuschlag durch die Stadt den Sommer 2018. Abgeschlossen sein k\u00f6nne die Sanierung 2020.<br \/>\nF\u00fcr Fahrr\u00e4der und Autos sollen in Kooperation mit den anderen Nutzern des Gel\u00e4ndes zus\u00e4tzliche Stellpl\u00e4tze geschaffen werden. Vorgeschlagen werden auch Parkpl\u00e4tze f\u00fcr Carsharing sowie Elektrolades\u00e4ulen. Abstimmen m\u00f6chten das die Bieter im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzepts mit der Stadt.<br \/>\nIn einer Magistratsvorlage werden f\u00fcr die Beratungen des Bauausschusses und im Parlament nun das nach Punkten eindeutige Votum f\u00fcr die gemeinsame Bietergemeinschaft &#8222;Drehscheibe Lokschuppen&#8220; sowie der Entscheidungsprozess im Auswahlgremium zusammengefasst. Ein weiteres Gebot wird nicht empfohlen. Die Bietergemeinschaft blieb am Donnerstag stets an erster Stelle.<br \/>\nDie Nutzer des Waggonhallenareals beteiligten sich zum Bedauern des Magistrats nicht am Endvotum im 24-k\u00f6pfigen Gremium, sondern forderten nach ausgiebigen Beratungen nun erneut ein Moratorium. Man solle ein umfassendes, neues B\u00fcrgerbeteiligungsverfahren er\u00f6ffnen, lautete ihre Position.<br \/>\nBaudirektor Rausch verwies dagegen noch einmal darauf, dass gerade das Verfahren der Konzeptausschreibung ja von Beginn an die Beteiligung beinhaltet habe und daf\u00fcr \u00fcberregionales Lob erh\u00e4lt. Auf dieses Verfahren hatten sich der Magistrat und die Stadtverordneten gemeinsam geeinigt.<br \/>\nNach zehn Jahren der Ideensammlung mit B\u00fcrgerbeteiligung habe man jetzt die Chance, zu einem Ergebnis zu kommen, erkl\u00e4rte dazu auch Spies. &#8222;Wir haben keine Zeit mehr, weil sonst der ganze Schuppen zusammenf\u00e4llt&#8220;, unterstrich die Dringlichkeit des Handelns auch Bauamtsleiter Rausch.<br \/>\n&#8222;Ich denke, das Votum schafft f\u00fcr die Stadtverordnetenversammlung gute Voraussetzungen, um zu einem \u00fcberzeugenden Ergebnis zu kommen, mit dem wir das wunderbare Denkmal Ringlokschuppen erhalten k\u00f6nnen&#8220;, dankte Oberb\u00fcrgermeister Spies im Anschluss an die Beratungen dem Auswahlgremium. Die Entscheidung \u00fcber die Vergabe liegt beim Stadtparlament, das \u00fcber die Empfehlung des Auswahlgremiums noch im September beraten will.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schneider-Gruppe und die Christmann + Pfeifer DLS GmbH &amp; Co. KG sollen den historischen Ringlokschuppen \u00fcbernehmen. 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