{"id":10847,"date":"2022-10-10T19:07:47","date_gmt":"2022-10-10T17:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10847"},"modified":"2022-10-10T19:07:47","modified_gmt":"2022-10-10T17:07:47","slug":"versuchssicherung-neue-methode-soll-tiere-schonen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10847","title":{"rendered":"Versuchssicherung: Neue Methode soll Tiere schonen"},"content":{"rendered":"<p>Der Einsatz der Genschere &#8222;CRISPR&#8220; soll f\u00fcr verbesserten Tierschutz sorgen. Das erkl\u00e4rte eine Forschungsgruppe aus Marburg am Montag (10. Oktober). <!--more--><br \/>\nDie Anzahl von Versuchstieren in der Krebsforschung l\u00e4sst sich erheblich verringern, wenn man die neue Methode einer Marburger Forschungsgruppe aus der Tumormedizin einsetzt. Das Verfahren nutzt die Genschere &#8222;CRISPR&#8220;, um zu Studienzwecken M\u00e4use mit Tumoren zu erzeugen, statt dazu aufwendige Zuchten mit vielen Tieren durchzuf\u00fchren. Das Team um den Marburger Krebsforscher Prof. Dr. Thorsten Stiewe berichtet im Fachblatt &#8222;Molecular Cancer&#8220; \u00fcber seine Ergebnisse.<br \/>\n&#8222;Tierschutz in der medizinischen Forschung orientiert sich am so genannten 3R-Konzept&#8220;, erl\u00e4uterte Stiewe, der die aktuelle Studie leitete. Das K\u00fcrzel &#8222;3R&#8220; steht f\u00fcr &#8222;Reduction, Refinement, Replacement&#8220;. Das bedeutet Verminderung, Verfeinerung, Ersatz von Tierversuchen.<br \/>\nF\u00fcr seine Verdienste um die Schonung von Versuchstieren erhielt der Marburger Hochschullehrer bereits im Jahr 2014 den Hessischen Tierschutz-Forschungspreis. Bisher forschte die Krebsmedizin an Tumoren, indem Versuchstiere gez\u00fcchtet wurden, die krebserzeugende Genver\u00e4nderungen enthalten. Dabei bleiben wie bei jeder Zucht Tiere \u00fcbrig, die nicht die erw\u00fcnschten Eigenschaften besitzen.<br \/>\n&#8222;Unsere Methode l\u00f6st dieses Problem, indem wir die Genver\u00e4nderungen nicht \u00fcber Zuchten in die M\u00e4use einbringen, sondern in erwachsenen Tieren direkt erzeugen&#8220;, erkl\u00e4rte Erstautorin Nastasja Merle, die eine Doktorarbeit in Stiewes Arbeitsgruppe anfertigt.<br \/>\nDie Forschungsgruppe verwendet ein molekulargenetisches Werkzeug, um die Erbsubstanz &#8222;DNA&#8220; zielgenau zu ver\u00e4ndern. Dabei handelt es sich um die Genschere &#8222;CRISPR&#8220;.<br \/>\n&#8222;Genetisch definierte Tumore, die mit dem CRISPR-Verfahren im Mausmodell entstehen, sind \u00fcberaus wichtig, um personalisierte Tumortherapien zu testen&#8220;, sagte Stiewe. &#8222;Unsere Methode spiegelt bestm\u00f6glich den nat\u00fcrlichen Prozess der Tumorentstehung beim Menschen wider, da auch hier die ausl\u00f6senden Genmutationen in der Regel nicht vererbt, sondern erst im Laufe des Lebens erworben werden.&#8220;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus bringe die neue Technik eine erhebliche Verbesserung im Versuchstierschutz. Sie l\u00e4sst sich au\u00dferdem mit dem preisgekr\u00f6nten Diagnoseverfahren kombinieren, f\u00fcr das Stiewe vor acht Jahren den Hessischen Tierschutz-Forschungspreis erhalten hat.<br \/>\n&#8222;Wir versehen die Tumorzellen mit einem leuchtf\u00e4higen Luciferase-Enzym, das in die Blutbahn gelangt und dort nachweisbar ist&#8220;, f\u00fchrte Nastasja Merle aus. Bei &#8222;Luciferasen&#8220; handelt es sich um Enzyme, die Stoffe so umbauen, dass sie Licht ausstrahlen. Diese Erscheinung kennt man zum Beispiel von Gl\u00fchw\u00fcrmchen.<br \/>\n&#8222;Wir k\u00f6nnen anhand eines einzigen Blutstropfens aus der Schwanzvene der M\u00e4use jederzeit im Labor messen, wieviel Tumor in dem Tier vorhanden ist.&#8220; Bislang erforderte die \u00dcberwachung der Tumore umfangreiche, wiederholte und f\u00fcr die Tiere belastende Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT. Das ist nun nicht mehr n\u00f6tig.<br \/>\n&#8222;Wir haben die Markierung mit Luciferase, die wir urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Untersuchung von transplantierten Tumoren entwickelten, nunmehr auf die \u00dcberwachung von Tumoren ausgeweitet, die direkt im Tier entstehen&#8220;, legte Stiewe dar. Zusammengenommen ergibt sich eine erhebliche Verbesserung gem\u00e4\u00df des 3R-Konzepts, da sowohl die Anzahl als auch die Belastung der Tiere ma\u00dfgeblich reduziert werden.<br \/>\nStiewe lehrt molekulare Onkologie an der Philipps-Universit\u00e4t. Neben Stiewes Arbeitsgruppe beteiligten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Marburger Klinik f\u00fcr diagnostische und interventionelle Radiologie, aus der Abteilung f\u00fcr Neuropathologie und der &#8222;Core Facility Genomics&#8220; sowie Arbeitsgruppen des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim und der Abteilung f\u00fcr Biochemie an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen an der Studie. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), behri, das Bundesforschungsministerium, das Deutsche Zentrum f\u00fcr Lungenforschung, die Deutsche Krebshilfe, die Jose Carreras Leuk\u00e4mie-Stiftung, die &#8222;Von-Behring-R\u00f6ntgen-Stiftung&#8220; und der &#8222;LOEWE&#8220;-Schwerpunkt iCANx f\u00f6rderten die Forschungsarbeit finanziell.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einsatz der Genschere &#8222;CRISPR&#8220; soll f\u00fcr verbesserten Tierschutz sorgen. Das erkl\u00e4rte eine Forschungsgruppe aus Marburg am Montag (10. 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Ein Forschungsteam der Philipps-Universit\u00e4t Marburg hat einen neuen Ansatz entwickelt, mit dem sich Tumorwachstum in Mausmodellen besonders schonend \u00fcberwachen l\u00e4sst. Statt auf aufwendige bildgebende Verfahren zu setzen, messen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":20208,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=20208","url_meta":{"origin":10847,"position":1},"title":"Vorausschauend: ERC Advanced Grant f\u00fcr Thorsten Stiewe","date":"23. Juni 2026","format":false,"excerpt":"Der \"ERC Advanced Grant\" f\u00fcr Prof. Dr. Thorsten Stiewe er\u00f6ffnet neue Perspektiven f\u00fcr die Pr\u00e4zisionsonkologie. Er erm\u00f6glicht Krebsforschung in der vierten Dimension. Der Molekularonkologe Prof. Dr. Thorsten Stiewe von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg erh\u00e4lt einen \"ERC Advanced Grant\" des Europ\u00e4ischen Forschungsrats (ERC). 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