{"id":10766,"date":"2022-09-29T19:17:18","date_gmt":"2022-09-29T17:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10766"},"modified":"2022-09-29T19:17:18","modified_gmt":"2022-09-29T17:17:18","slug":"hereingefunden-crispr-cas-system-beschrieben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10766","title":{"rendered":"Hereingefunden: CRISPR-Cas-System beschrieben"},"content":{"rendered":"<p>Ein Marburger Forschungsteam charakterisiert das letzte &#8211; noch kaum beschriebene &#8211; CRISPR-Cas-System eines Bakteriums. Es sei eher eine Gen-Hemmung statt eine Gen-Schere. <!--more--><br \/>\nDas Bodenbakterium &#8222;Pseudomonas oleovorans&#8220; nutzt ein nat\u00fcrliches CRISPR-Cas-System, das zur Steuerung der Genaktivit\u00e4t taugt. Das berichtet eine Forschungsgruppe aus der Biologie und Chemie der Philipps-Universit\u00e4t, die den letzten bislang kaum beschriebenen Typus bakterieller CRISPR-Cas-Systeme charakterisiert hat. Das Team publizierte seine Ergebnisse im Fachblatt &#8222;Nature Microbiology&#8220;.<br \/>\nCRISPR-Cas-Anwendungen dienen seit wenigen Jahren zur gezielten Ver\u00e4nderung der Erbsubstanz DNA; im Jahr 2020 erhielten die Molekularbiologinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna den Nobelpreis f\u00fcr Medizin und Physiologie f\u00fcr die Entdeckung des &#8222;Genome Editing&#8220; mittels CRISPR-Cas.<br \/>\n&#8222;Urspr\u00fcnglich kommen CRISPR-Cas-Systeme in Mikroorganismen vor, die sich damit gegen eingedrungene DNA oder RNA zur Wehr setzen, insbesondere gegen Viren&#8220;, erkl\u00e4rte der Marburger Genetiker Prof. Dr. Lennart Randau, der die Forschungsarbeit leitete. &#8222;Bislang unterscheidet die Wissenschaft sechs Typen von CRISPR-Cas-Systemen.&#8220;<br \/>\nDie meisten dieser Systeme bestehen aus gut charakterisierten Molek\u00fclen; lediglich Typ IV gab bislang noch R\u00e4tsel auf, die seine naturw\u00fcchsige Aktivit\u00e4t in Bakterienzellen betreffen.+<br \/>\n&#8222;\u00dcbersichtsarbeiten \u00fcber CRISPR-Cas-Systeme enthalten in der Regel nur Fragezeichen, wenn es um die grundlegenden Eigenschaften von Typ IV geht&#8220;, erl\u00e4uterte der Marburger Genetiker Xiaohan Guo. Seine Doktorarbeit fertigt er in Randaus Labor an. Zudem firmiert er als einer der Erstautoren der aktuellen Ver\u00f6ffentlichung.<br \/>\nWie funktioniert Typ IV in seiner nat\u00fcrlichen Umgebung in der Bakterienzelle? F\u00fcr welche Aufgabe ist das System angelegt? Wie ist das Ausgangsmaterial beschaffen, an dem es ansetzt?<br \/>\nBesteht das Substrat aus doppelstr\u00e4ngiger DNA, aus DNA-Einzelstr\u00e4ngen oder aus RNA? Schneidet das CRISPR-Cas-System dieses Substrat? Nutzt es dazu eine bekannte Erkennungssequenz, an das es koppelt?<br \/>\nUm der Beantwortung dieser Fragen n\u00e4her zu kommen, nahmen Randau und sein Team das CRISPR-Cas-System von Typ IV eines weit verbreiteten Bakteriums unter die Lupe. Dabei handelt es sich um &#8222;Pseudomonas oleovorans&#8220;. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfolgten die Aktivit\u00e4t des CRISPR-Cas-Systems im urspr\u00fcnglichen Wirt, verpflanzten es aber auch in das Bakterium &#8222;Escherichia coli&#8220;, das besonders gut zug\u00e4nglich f\u00fcr Laborexperimente ist.<br \/>\nDas Team fand heraus, dass Typ IV auf doppelstr\u00e4ngige DNA als Substrat zielt. Das CRISPR-Cas-System ben\u00f6tigt eine wohldefinierte Erkennungssequenz, die man auch von den anderen Typen kennt. Es schneidet die DNA jedoch nicht.<br \/>\nWenn das System nicht als Schere dient, also eingedrungenes Erbmaterial nicht zerschneiden kann &#8211; welche Funktion erf\u00fcllt es stattdessen? Wie die Forschungsgruppe feststellte, taugt Typ IV-CRISPR-Cas eher dazu, die Aktivit\u00e4t der eigenen Pseudomonas-Gene zu kontrollieren.<br \/>\n&#8222;Im Vordergrund des Manuskripts steht unsere Entdeckung, dass ein Teil des CRISPR-Cas-Systems perfekt zu einer Zielsequenz im Genom von Pseudomonas passt&#8220;, f\u00fchrte Randaus Doktorandin Mariana Sanchez-Londono aus, die sich mit Xiaohan Guo die Erstautorenschaft teilt. Aus ihrem Befund leiten die Autorinnen und Autoren ein Funktionsmodell ab: Demzufolge legen sich die zueinander passenden Abschnitte aneinander, so dass die Bakterien-DNA an dieser Stelle nicht abgelesen und umgesetzt werden kann.<br \/>\nEntfernt man den entsprechenden Abschnitt k\u00fcnstlich aus dem CRISPR-Cas-System, so blockiert er das Gegenst\u00fcck im Bakteriengenom nicht, was zu einer verst\u00e4rkten Aktivierung des Gens an dieser Stelle f\u00fchrt. &#8222;Es handelt sich um eine Art nat\u00fcrliches Werkzeug, um die Genaktivit\u00e4t stillzulegen&#8220;, schlussfolgerte Randau.<br \/>\nRandau lehrt Genetik am Fachbereich Biologie der Philipps-Universit\u00e4t. Dort leitet er die Arbeitsgruppe zu Prokaryotischer RNA-Biologie. Er geh\u00f6rt dem Marburger &#8222;LOEWE&#8220;-Forschungszentrum &#8222;Synmikro&#8220; an.<br \/>\nNeben Randaus Team beteiligten sich Prof. Dr. Peter Graumann und Mitarbeiter vom Fachbereich Chemie der Philipps-Universit\u00e4t an der Ver\u00f6ffentlichung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaftn (DFG), die Max-Planck-Gesellschaft und der Marburger Schwerpunkt &#8222;Diffusible Signals&#8220; des hessischen Landesexzellenzprogramms &#8222;LOEWE&#8220; haben die zugrundeliegende Forschungsarbeit finanziell gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Marburger Forschungsteam charakterisiert das letzte &#8211; noch kaum beschriebene &#8211; CRISPR-Cas-System eines Bakteriums. Es sei eher eine Gen-Hemmung statt eine Gen-Schere.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[4430,2167,4431],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2NE","jetpack-related-posts":[{"id":15443,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=15443","url_meta":{"origin":10766,"position":0},"title":"Forscher gef\u00f6rdert: Zwei Marburger erfolgreich bei VW Momentum","date":"19. April 2024","format":false,"excerpt":"Die VolkswagenStiftung f\u00f6rdert zwei Professoren der Philipps-Universit\u00e4t. Peter Kolb und Lennart Randau waren erfolgreich beim VW \"Momentum\". 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