{"id":1072,"date":"2017-09-04T18:12:46","date_gmt":"2017-09-04T16:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=1072"},"modified":"2017-09-04T18:12:46","modified_gmt":"2017-09-04T16:12:46","slug":"sobald-fort-schmerzlindernde-wirkung-von-opium-erforscht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=1072","title":{"rendered":"Sobald fort: Schmerzlindernde Wirkung von Opium erforscht"},"content":{"rendered":"<p>Opium stillt Schmerzen, indem es Ionenkan\u00e4le in schmerzempfindlichen Zellen blockiert. Daher empfehlen sich diese Kan\u00e4le als Ansatzpunkte einer Schmerzbehandlung, die ohne Opium auskommt. <!--more--><br \/>\nDas zeigt eine Forschungsgruppe aus der Marburger Universit\u00e4tsmedizin gemeinsam mit deutschen und amerikanischen Beteiligten in einer aktuellen Studie. Das Team um den Biologen Prof. Dr. Johannes Oberwinkler vom Institut f\u00fcr Physiologie und Pathophysiologie der Philipps-Universit\u00e4t kl\u00e4rte das Zusammenwirken von Molek\u00fclen auf, die an der Schmerzempfindung beteiligt sind. Die Ergebnisse sind soeben im Forschungsmagazin &#8222;e-Life&#8220; erschienen.<br \/>\nOpium ist das effektivste Mittel gegen Schmerzen. Der Saft des Schlafmohns bringt jedoch gravierende Nebenwirkungen mit sich: neben der Abh\u00e4ngigkeit sind das zum Beispiel Verstopfung und Atembeschwerden.<br \/>\nDas Bet\u00e4ubungsmittel lindert Schmerzen, indem seine Bestandteile an Opioidrezeptoren koppeln. &#8222;Wie die zellul\u00e4ren Mechanismen funktionieren, durch die Opioidrezeptoren auf die Schmerzempfindlichkeit der Haut wirken, war bislang nicht bekannt&#8220;, erkl\u00e4rte Oberwinkler. Er leitete die Untersuchungen.<br \/>\nOpioidrezeptoren kommen unter anderem in denjenigen Sinneszellen vor, die Schmerzsignale weiterleiten. In den Lebenswissenschaften nennt man diese Zellen &#8222;Nozizeptoren&#8220;.<br \/>\nSinnesempfindungen beruhen auf elektrischen und chemischen Signalen. Voraussetzung daf\u00fcr ist die Aktivit\u00e4t von Proteinen, die als Kanalproteine bezeichnet werden, weil sie elektrisch geladene Teilchen aus einer Zelle nach au\u00dfen oder nach innen schleusen, so dass sich eine elektrische Spannung auf- oder abbaut. In den schmerzempfindlichen Sinneszellen oder Nozizeptoren sind an diesem Vorgang unter anderem sogenannte &#8222;TRPM3-Kan\u00e4le&#8220; beteiligt.<br \/>\nWelche Bedeutung haben diese Ionenkan\u00e4le f\u00fcr die Schmerzstillung durch Opium und verwandte Substanzen? L\u00e4sst sich die nebenwirkungsreiche Verabreichung von Opium umgehen, wenn man schmerzlindernd auf die Nozizeptoren einwirken m\u00f6chte? Die Forschungsgruppe um Oberwinkler stellt in ihrer Studie eine Verbindung zwischen Opioidrezeptoren, die unmittelbar mit dem Opiumbestandteil Morphin interagieren, und den TRPM3-Kan\u00e4len her, die in denselben Zellen lokalisiert sind.<br \/>\nUm herauszufinden, welchen Einfluss die TRPM3-Kan\u00e4le auf das Schmerzempfinden aus\u00fcben, f\u00fchrten Oberwinkler und sein Team Experimente an Zellkulturen durch: Sie aktivierten Opioidrezeptoren, indem sie Morphin zusetzten. Dieser Opiumbestandteil ist seit langem als Kopplungspartner der Rezeptoren bekannt.<br \/>\nAu\u00dferdem testete die Forschungsgruppe die Wirkung der morphin\u00e4hnlichen, synthetischen Substanz &#8222;DAMGO&#8220;. Das Ergebnis beschrieb sie in ihrer aktuellen Ver\u00f6ffentlichung.<br \/>\nSchaltet man Opioidrezeptoren an, indem man sie durch Morphin oder DAMGO reizt, so hemmen sie die Aktivit\u00e4t der TRPM3-Kan\u00e4le. Sie sind dann zum Beispiel weniger durchl\u00e4ssig f\u00fcr Kalzium- und Natrium-Ionen als normalerweise. Wie die Forschungsgruppe weiter ermittelte, lassen sich auf diese Weise Schmerzempfindungen tats\u00e4chlich lindern.<br \/>\nDas Team identifizierte dar\u00fcber hinaus weitere Molek\u00fcle, die an der Wechselwirkung zwischen Opioidrezeptoren und TRPM3-Kan\u00e4len beteiligt sind. Diese Molek\u00fcle verm\u00f6gen die Kanalproteine ebenfalls zu hemmen.<br \/>\nDie Schlussfolgerung verspricht neue M\u00f6glichkeiten der Schmerztherapie. Wenn es gelingt, die TRPM3-Kan\u00e4le auf andere Weise als durch Opiumbestandteile zu blockieren, erzielt man ebenfalls schmerzstillende Ergebnisse, aber unter Umst\u00e4nden mit weniger nachteiligen Folgen als bei einer Opiumverabreichung.<br \/>\n&#8222;Bei M\u00e4usen zeigen sich keine unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen, wenn ihnen das TRPM3-Gen fehlt&#8220;, f\u00fchrte das Autorenteam um Oberwinkler dazu aus. &#8222;Medikamente, die sich gegen TRPM3-Kan\u00e4le richten, k\u00f6nnten daher ein brauchbares Mittel gegen Schmerz sein.&#8220;<br \/>\nOberwinkler leitet die Arbeitsgruppe Molekulare Physiologie am Fachbereich Medizin der Philipps-Universit\u00e4t. Neben ihm und seinem Team sind weitere Forscher der Philipps-Universit\u00e4t sowie aus Freiburg, G\u00f6ttingen, Homburg, Mannheim, T\u00fcbingen, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) an der Ver\u00f6ffentlichung beteiligt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Max-Planck-Gesellschaft sowie die Nachwuchsakademie MARA der Universit\u00e4t f\u00f6rderten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finanziell.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opium stillt Schmerzen, indem es Ionenkan\u00e4le in schmerzempfindlichen Zellen blockiert. 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