{"id":10397,"date":"2022-08-20T10:21:59","date_gmt":"2022-08-20T08:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10397"},"modified":"2022-10-03T18:11:57","modified_gmt":"2022-10-03T16:11:57","slug":"cafe-barfuss-eine-echte-marburger-institution","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10397","title":{"rendered":"Caf\u00e9 Barfu\u00df: Eine echte Marburger Institution"},"content":{"rendered":"<p>Im Herbst 1978 nahm ich mein Studium auf. Bereits im ersten Semester war das &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr mich. <!--more--><br \/>\nDie niedrige Schwelle von der Barf\u00fc\u00dferstra\u00dfe hinein ins Cafe konnten auch Rollst\u00fchle \u00fcberwinden. Darum traf sich meine Orientierungseinheit (OE), der auch zwei Rollstuhlfahrer angeh\u00f6rten, immer im &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220;. Gleiches galt sp\u00e4ter aus dem selben Grund auch f\u00fcr meine Praktikumsgruppe, zu deren Treffen sich meist auch unser Praktikumsrichter hinzugesellte.<br \/>\nSeither ist diese gelungene Mischung aus Kneipe und Caf\u00e9 im Haus Barf\u00fc\u00dferstra\u00dfe 33 f\u00fcr mich eine feste Marburger Institution. Wir haben dort gemeinsam gefr\u00fchst\u00fcckt und Kaffee getrunken, zu Mittag gegessen oder abends beim Bier beieinander gesessen. Dort haben wir auch \u00fcber anstehende und bestandene Klausuren gesprochen oder \u00fcber schlechte Noten gejammert.<br \/>\nAls ich das &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; kennenlernte, war es gerade erst frisch er\u00f6ffnet worden. 1978 hatte Wolfgang Richter es er\u00f6ffnet, der sp\u00e4ter eine ganze Reihe von Kneipen und Diskotheken in Marburg betrieb. Dazu z\u00e4hlen das <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=10178\">erste &#8222;Quodliebet&#8220; an der Gutenbergstra\u00dfe<\/a> ebenso wie das <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=10259\">&#8222;Slot&#8220; am Steinweg<\/a> oder die &#8222;Kult&#8220;-Hallen an der Temmlerstra\u00dfe.<br \/>\nRichters Rezept bestand darin, Lokale in einem konsequent umgesetzten Stil neu zu er\u00f6ffnen und nach erfolgreicher Markteinf\u00fchrung sp\u00e4ter weiterzugeben. Besonders gelungen ist ihm das bereits im Jahr 1978. Das Konzept des &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; ist seit mehr als 40 Jahren im Wesentlichen immer noch das Gleiche wie bei der Er\u00f6ffnung.<br \/>\nSeit 1978 hat es seinen studentischen Charakter kaum ver\u00e4ndert. Die Preise sind eher g\u00fcnstig und das Speisenangebot eher bodenst\u00e4ndig. Die \u00d6ffnungszeiten sind auch noch \u00e4hnlich wie vor 44 Jahren.<br \/>\nGe\u00f6ffnet wird das Lokal morgens um 10 Uhr. Am Wochennende schlie\u00dft es erst um 2 Uhr, w\u00e4hrend es unter der Woche schon eine Stunde vorher dichtmacht. Zwischen 10 am Morgen und 1 Uhr am darauffolgenden Tag war es auch bereits 1978 ge\u00f6ffnet.<br \/>\nIm ersten Semester bereits trafen wir uns sonntagsmorgens ab 10 Uhr manchmal zum Fr\u00fchst\u00fcck im &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220;. Einige gingen mittags wieder, w\u00e4hrend andere bis zum Abend blieben. Im Tagesverlauf \u00e4nderte das Lokal seinen Charakter dann allm\u00e4hlich von einem Fr\u00fchst\u00fcckscaf\u00e9 \u00fcber ein g\u00fcnstiges Speiselokal hin zu einer Bierkneipe.<br \/>\nWir sa\u00dfen und a\u00dfen. Wir diskutierten und dinierten. Wir tranken und schwankten schlie\u00dflich sp\u00e4tabends heim.<br \/>\nStudentinnen und Studenten aller Fachbereiche kamen und gingen. Manchmal brachte auch jemand mal seine Eltern mit. Mitunter verirrten sich auch Touristinnen oder Touristen und vereinzelte Professoren in das Lokal.<br \/>\nDas Interieur des &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; entsprach damals ganz dem Zeitgeist der sp\u00e4ten 70er Jahre: An den W\u00e4nden hingen Kaffees\u00e4cke aus Jute als eine Art antikolonialistischer Tapete. Ein Dielenfu\u00dfboden betonte den urigen Charakter des Lokals.<br \/>\nAn den W\u00e4nden entlang standen gepolsterte Holzb\u00e4nke. Zu den G\u00e4ngen hin standen gepolsterte Holzst\u00fchle an soliden Holztischen. Das gesamte Innere atmete den Kaffeeduft der &#8222;Dritte-Welt-Bewegung&#8220;.<br \/>\nWar das &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; in den Anfangsjahren noch v\u00f6llig verr\u00e4uchert vom Zigarrettendunst, so wurde es gute 20 Jahre sp\u00e4ter &#8211; wie alle Gastst\u00e4tten in Hessen &#8211; eine rauchfreie Zone. Die Musik mag sich ein wenig von Rock und Folk ver\u00e4ndert haben hin zu moderneren Rhythmen, aber sie blieb eher im Hintergrund und \u00fcbert\u00f6nte den Ger\u00e4uschpegel der Gespr\u00e4che nur selten. Einander Treffen und miteinander Reden war und ist wohl das Wichtigste f\u00fcr die meisten G\u00e4ste dort.<br \/>\nIm &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; feierte ich Anfang der 2000er Jahre den Geburtstag eines Freunds mit einem Sektfr\u00fchst\u00fcck ebenso wie wenige Jahre sp\u00e4ter den gelungenen Vortrag einer Menschenrechtlerin im Marburger Weltladen mit der Referentin und dem Organisator nach dem Ende der Veranstaltung. Gelegentlich a\u00df ich dort g\u00fcnstig ein Nudelgericht oder einen Eintopf. Einmal f\u00fchrte ich einen Besucher aus Norddeutschland mit seiner Familie dorthin aus, weil mein Kollege sich an einen Besuch etliche Jahre zuvor noch wohlwollend erinnerte.<br \/>\nInzwischen bezeichnet sich das &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; als &#8222;eine der \u00e4ltesten Kneipen Marburgs&#8220;. Trotz vorsichtiger Renovierungen und der Besitzerwechsel ist es unbestreitbar eins der wenigen Lokale, die sich \u00fcber Jahrzehnte hinweg in Stil und Ausstrahlung treu geblieben sind. Nicht nur deshalb geh\u00f6rt es garantiert zu den <a href=\"http:\/\/lokale.marburgviews.de\">legend\u00e4ren Lokalen in Marburg<\/a>.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herbst 1978 nahm ich mein Studium auf. Bereits im ersten Semester war das &#8222;Caf\u00e9 Barfu\u00df&#8220; eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr mich.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[3,4],"tags":[4313,4314,495],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2HH","jetpack-related-posts":[{"id":10527,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=10527","url_meta":{"origin":10397,"position":0},"title":"Wieder hinein: Das Geheimnis des &#8222;Market&#8220; am Marktplatz","date":"3. September 2022","format":false,"excerpt":"Gleich sieben Restaurants, eine Kellerkneipe und ein Caf\u00e9 gruppieren sich rund um den Marktplatz. 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