{"id":10363,"date":"2022-08-13T09:12:26","date_gmt":"2022-08-13T07:12:26","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10363"},"modified":"2022-08-13T19:30:27","modified_gmt":"2022-08-13T17:30:27","slug":"bistro-caveau-vor-40-jahren-eine-tropfsteinhoehle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10363","title":{"rendered":"Bistro Caveau: Vor 40 Jahren eine Tropfsteinh\u00f6hle"},"content":{"rendered":"<p>Von 1979 bis 1982 war das &#8222;Caveau&#8220; mein Stammlokal. Damals war diese Kellerkneipe eine echte Tropfsteinh\u00f6hle. <!--more--><br \/>\nIm Herbst 1978 habe ich nach meiner Rehabilitation an der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) mein Jurastudium an der Philipps-Universit\u00e4t begonnen. Bald schloss ich mich einer der vier Fachbereichsgruppen an. Sie nannte sich &#8222;Unabh\u00e4ngige Demokratische Initiative&#8220; (UDI).<br \/>\nJede Woche trafen wir uns an einem Abend in der Cafeteria des Savignyhauses, um unsere Vertreter im Fachbereichsrat und der Fachschaft zu instruieren. Danach gingen wir zusammen ins &#8222;Caveau&#8220;. Als sich 1980 die Fachschaftsgruppe &#8222;Das Plenum&#8220; von der UDI abspaltete, gingen wir trotzdem weiterhin gemeinsam mit den Aktiven der UDI nach den sitzungen der beiden Fachschaftsgruppen ins &#8222;Caveau&#8220;.<br \/>\nDas &#8222;Caveau&#8220; befindet sich in einem historischen Fachwerkhaus am Hirschberg. In dem Geb\u00e4ude &#8222;Hirschberg 8&#8220; war vor 40 Jaahren oben das &#8222;Bistro Batteau&#8220; und im Gew\u00f6lbekeller unten die Kneipe &#8222;Caveau&#8220;. Heute hei\u00dft das gesamte Lokal &#8222;Bistro Caveau&#8220;.<br \/>\nIm Erdgeschoss an der &#8211; steil zur R\u00fcckseite des Rathauses hin &#8211; ansteigenden Pflastersteingasse standen vor 40 Jahren Kunstlederb\u00e4nke an kleinen l\u00e4nglichen Tischen. Dort wurden warme Baguetbrote, Salate und andere kleinere Speisen serviert. Das Publikum war weitgehend studentisch gepr\u00e4gt.<br \/>\nWir trafen uns aber immer im Gew\u00f6lbekeller eine Etage tiefer. Dort floss reichlich Bier in die Kehlen der &#8211; \u00fcberwiegend m\u00e4nnlichen &#8211; G\u00e4ste hinein. Dabei sprachen wir \u00fcber Politik, \u00fcber Gott und die Welt sowie \u00fcber das meist staubtrockene Jurastudium.<br \/>\nAuf seiner Webseite wirbt das Caveau mit dem Reim: &#8222;Die Zapfer sind tapfer. Die Trinker sind flinker.&#8220;<br \/>\nWas die heutige Wirtin Isabel K\u00fchn da online gestellt hat, galt damals in jedem Fall. Wir haben gesprochen und gesoffen. Dabei wurden reichlich Witze gerissen, die aber nicht unbedingt gerissen oder zumindest geistreich sein mussten.<br \/>\nDie besonderheit der allw\u00f6chentlichen Treffen im &#8222;Caveau&#8220; war damals, dass nach und nach auch einzelne Vertreter der anderen politischen Gruppen am Fachbereich &#8222;Rechtswissenschaften&#8220; zu uns stie\u00dfen. Einzelne Jusos kamen ebenso wie einige Vertreter des Marxistischen Studentenbunds Spartakus&#8220; (MSB) sowie manchmal sogar auch ein Mann vom &#8222;Ring christlich-demokratischer Studenten&#8220; (RCDS).<br \/>\nSetzte die Sperrstunde um 1 Uhr nachts unserem Treffen im &#8222;Caveau&#8220; ein Ende, gingen wir gelegentlich gemeinsam weiter in den <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=10168\">&#8222;Alt-Keller&#8220; bei der Elisabethkirche<\/a>. Dieses Lokal besa\u00df eine &#8222;Nachtkonzession&#8220;, was beim &#8222;Caveau&#8220; nicht der Fall war. Meist waren wir jedoch um 1 Uhr schon so dicht, dass wir uns besser auf den Heimweg machten als auf den \u00fcber den Marktplatz hinweg und durch Marktgasse, Wettergasse und Steinweg zum &#8222;Alt-Keller&#8220;.<br \/>\nZun\u00e4chst empfand ich das &#8222;Caveau&#8220; als gem\u00fctliche Bierkneipe. Unseren Stammplatz hatten wir dort in einer Gew\u00f6lbenische. Dort sa\u00dfen wir auf gepolsterten B\u00e4nken an der Wand um einen gro\u00dfen runden Tisch herum.<br \/>\nGenau dar\u00fcber befand sich das M\u00e4nnerklo. Zum Wasserlassen stiegen wir also alle immer die Treppe hinauf zur Toilette und danach dann wieder hinab ins Kellergew\u00f6lbe. Erst nach Monaten ging uns auf, dass die tropfende Fl\u00fcssigkeit von der Decke in unserer Nische den Fu\u00dfboden der dar\u00fcberliegenden Toilette durchdrungen hatte, wo sich abends das getrunkene Bier nicht immer genau in die Pissoirs ergoss.<br \/>\nEs bedurfte weiterer Monate, bis ich gemeinsam mit meiner Lieblingskommilitonin beschloss, dass wir uns lieber bei ihr oder mir daheim treffen und dabei auf Alkohol verzichten sollten. Nach und nach \u00f6deten uns die leeren Phrasen und Witze der meisten anderen Jurastudenten an. Gepr\u00e4gt waren sie zu h\u00e4ufig von Macho-Gehabe und Selbstdarstellungssucht.<br \/>\nSeit mehreren Jahren ist das &#8222;Bistro Caveau&#8220; am Hirschberg eine &#8222;Spiel- und Sportkneipe&#8220;. An der Wand h\u00e4ngen gro\u00dfe Flachbildschirme. Dort laufen Fernseh\u00fcbertragungen von Fu\u00dfballspielen oder anderen popul\u00e4ren Sportereignissen.<br \/>\nZwischenzeitlich gab es in dem zugeh\u00f6rigen Gew\u00f6lbekeller alle zwei Wochen die sogenannte &#8222;Finstaverne&#8220;. Bei v\u00f6lliger Verdunkelung servierten Blinde den sehenden G\u00e4sten dann Speisen und Getr\u00e4nke. \u00c4hnliche &#8222;Dunkel-Kneipen&#8220; gab es auch in anderen St\u00e4dten wie die &#8222;Unsicht-Bar&#8220; beim &#8222;Dialog im Dunkeln&#8220; in Frankfurt oder Hamburg.<br \/>\nDort bin ich als Blinder aber nie gewesen. Auch die &#8222;Spiel- und Sportkneipe&#8220; habe ich nur ein einziges Mal aufgesucht, weil mich Fu\u00dfball nicht interessiert und mir der Ger\u00e4uschpegel dabei zu laut und aggressiv war. Dennoch ist f\u00fcr mich das &#8222;Caveau&#8220; angesichts meiner pers\u00f6nlichen Erinnerungen eines der <a href=\"http:\/\/lokale.marburgviews.de\">legend\u00e4ren Lokale in Marburg<\/a>.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von 1979 bis 1982 war das &#8222;Caveau&#8220; mein Stammlokal. Damals war diese Kellerkneipe eine echte Tropfsteinh\u00f6hle.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[3,2],"tags":[4302,4303,1863],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2H9","jetpack-related-posts":[{"id":10459,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=10459","url_meta":{"origin":10363,"position":0},"title":"Kneipenabend: Alter Ritter wurde Sudhaus","date":"27. August 2022","format":false,"excerpt":"\"Alter Ritter\" steht an einer Hauswand am unteren Steinweg. 1977 konnte ich das dort selber noch lesen. 1977 beherbergte das Geb\u00e4ude allerdings gar kein Restaurant. 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