{"id":10296,"date":"2022-08-04T12:15:25","date_gmt":"2022-08-04T10:15:25","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10296"},"modified":"2022-08-04T12:15:25","modified_gmt":"2022-08-04T10:15:25","slug":"arnica-angepflanzg-botanischer-garten-empfiehlt-magerrasen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10296","title":{"rendered":"arnica angepflanzg: Botanischer Garten empfiehlt Magerrasen"},"content":{"rendered":"<p>Naturschutz und erfolgreiche Landwirtschaft m\u00fcssen sich nicht ausschlie\u00dfen. Das zeigt ein neues Projekt des Botanischen Gartens. <!--more--><br \/>\nMagerrasen bietet einen wertvollen Schutzraum f\u00fcr zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Doch in den vergangenen Jahrhunderten ging der Anteil der besonders sch\u00fctzenswerten Gr\u00fcnfl\u00e4chen immer weiter zur\u00fcck.Verantwortlich daf\u00fcr war unter anderem der wirtschaftliche Druck auf die Landwirtschaft.<br \/>\nEin Projekt der Philipps-Universit\u00e4t soll dem R\u00fcckgang nun entgegenwirken: Die Heilpflanze &#8222;Arnica montana&#8220; tr\u00e4gt zum Erhalt des Magerrasens bei und birgt f\u00fcr die Landwirtschaft gro\u00dfes \u00f6konomisches Potenzial, das Marburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich machen wollen. Das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft f\u00f6rdert das Projekt &#8222;Revitalisierung und \u00f6kologische Aufwertung bodensaurer Magerrasen durch die Anreicherung und nachhaltige Nutzung der Heilpflanze Arnica montana&#8220; mit knapp 380.000 Euro f\u00fcr vier Jahre.<br \/>\nMagerrasen hat eine sehr lange Geschichte. Schon in der Fr\u00fchsteinzeit lie\u00dfen die Menschen ihr Vieh auf vormals bewaldeten Fl\u00e4chen weiden. Die Tiere verbissen junge Str\u00e4ucher; und B\u00e4ume und zur\u00fcck blieb besonders artenreicher, n\u00e4hrstoffarmer und wasserdurchl\u00e4ssiger Boden &#8211; der Magerrasen.<br \/>\n&#8222;Es handelt sich um die \u00e4ltesten landwirtschaftlich genutzten Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen in Deutschland&#8220;, erkl\u00e4rte Dr. Andreas Titze. &#8222;Gepr\u00e4gt von unterschiedlichsten Kraut- und Halbstrauchpflanzen bietet der Magerrasen einen wichtigen Lebensraum f\u00fcr zahlreiche Arten.&#8220;<br \/>\nTitze ist der Leiter des Botanischen Gartens der Philipps-Universit\u00e4t. &#8222;&#8220;Hier ist \u00fcber viele Jahrhunderte ein komplexes Beziehungsgef\u00fcge zwischen Pflanzen, Insekten, Amphibien, Reptilien und V\u00f6geln entstanden, das besonders sch\u00fctzenswert ist&#8220;, erl\u00e4uterte er.<br \/>\nMittlerweile ist der Fl\u00e4chenanteil des Magerrasens in Deutschland jedoch auf unter vier Prozent gesunken. Das ist unter anderem auf die Industrialisierung der Landwirtschaft, den zunehmenden Einsatz von Pestiziden sowie den immer st\u00e4rkeren wirtschaftlichen Druck, dem Landwirt*innen ausgesetzt sind, zur\u00fcckzuf\u00fchren.<br \/>\n&#8222;Das ist eine sehr problematische Entwicklung, da viele dieser Insektenarten &#8211; zum Beispiel Hummeln &#8211; f\u00fcr eine optimale Best\u00e4ubung bei 70 Prozent unserer Nutzpflanzen verantwortlich sind&#8220;, warnte Titze. &#8222;Indirekt schadet sich die Landwirtschaft damit also auch selbst.&#8220;<br \/>\nDas neue Projekt des Botanischen Gartens soll dazu beitragen, den wichtigen Lebensraum Magerrasen zu erhalten und dem weiteren Abbau auch langfristig entgegen zu wirken. &#8222;Eine Schl\u00fcsselrolle nimmt hier Arnica montana ein. Der Erhalt und die Pflege dieser Heilpflanze tr\u00e4gt dazu bei, dass auch alle anderen &#8211; f\u00fcr diesen Lebensraum typischen &#8211; Pflanzen und mit ihnen assoziierten Insekten, Amphibien, Reptilien und V\u00f6gel erhalten und in ihrem Bestand gef\u00f6rdert werden&#8220;, erl\u00e4uterte Titze.<br \/>\nWer Arnica montana pflegt, erh\u00e4lt im Prinzip automatisch den wertvollen Magerrasen. Bedingt ist das durch die angepasste Fl\u00e4chenpflege.<br \/>\nGleichzeitig ergibt sich f\u00fcr Landwirtinnen und Landwirte ein erheblicher \u00f6konomischer Vorteil. &#8222;Arnica montana&#8220; ist eine wertvolle Heilpflanze, die entsprechend vermarktet werden kann &#8211; und sie bringt Gesellschaft mit.<br \/>\n&#8222;Thymus pulegioides&#8220;, &#8222;Galium verum&#8220;, &#8222;Veronica officinalis&#8220; oder &#8222;Betonica officinalis&#8220; sind ebenfalls wertvolle Medizinalpflanzen, die zahlreiche sekund\u00e4re Pflanzenstoffe enthalten und zum Beispiel eine sehr positive Wirkung auf die Tiergesundheit haben. So verbessern sie unter anderem die Futteraufnahme, wirken antimikrobiell und entz\u00fcndungshemmend sowie verdauungsf\u00f6rdernd. &#8222;Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, das krautreiches Tierfutter den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung deutlich minimiert und gleichzeitig die Qualit\u00e4t der Milchzusammensetzung signifikant erh\u00f6ht&#8220;, betonte Titze.<br \/>\nInnerhalb des Vorhabens werden im Botanischen Garten zirka 40.000 Jungpflanzen gez\u00fcchtet, um sie im Anschluss in Gr\u00fcnfl\u00e4chen einzubringen und f\u00fcr die Landwirtschaft verf\u00fcgbar zu machen. &#8222;Momentan bespielen wir zwei Fl\u00e4chen im Landkreis Marburg-Biedenkopf und drei im Vogelsbergkreis&#8220;, erl\u00e4uterte Titze. Das sind insgesamt zirka f\u00fcnf Hektar Gr\u00fcnland.<br \/>\nNach drei Jahren sollen sich die Pflanzen dann selbst\u00e4ndig auf der Fl\u00e4che vermehren. Die notwendige Fl\u00e4chenpflege soll von den Landwirt*innen umgesetzt werden.<br \/>\n&#8222;Die Bl\u00fctenk\u00f6pfe der Heilpflanze k\u00f6nnen dann geerntet und entsprechend vermarktet werden&#8220;, erg\u00e4nzte Titze. &#8222;Auch diesen Vorgang begleiten wir, da wir durch unsere Arbeit mit Heilpflanzen seit vielen Jahren gute Kontakte zu relevanten Firmen pflegen.&#8220;<br \/>\nDurch das Projekt soll damit auch gezeigt werden, dass eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung gef\u00e4hrdeter Gr\u00fcnlandbiotope den Belangen des Naturschutzes nicht entgegensteht. Ganz im Gegenteil ist sie f\u00fcr den langfristigen Erhalt sogar notwendig.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naturschutz und erfolgreiche Landwirtschaft m\u00fcssen sich nicht ausschlie\u00dfen. 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