{"id":10162,"date":"2022-07-19T13:56:25","date_gmt":"2022-07-19T11:56:25","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10162"},"modified":"2022-07-19T13:56:25","modified_gmt":"2022-07-19T11:56:25","slug":"zum-besseren-verstaendnis-diskussion-ueber-krise-der-konfliktforschung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10162","title":{"rendered":"Zum besseren Verst\u00e4ndnis: Diskussion \u00fcber Krise der Konfliktforschung"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wissenschaft muss unbequem bleiben.&#8220; Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion beim Festakt zum 20-j\u00e4hrigen Bestehen des Zentrums f\u00fcr Konfliktforschung. <!--more--><br \/>\nDas Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung (ZfK) der Philipps-Universit\u00e4t feierte am Wochenende mit einem Festakt im Vortragsraum der Universit\u00e4tsbibliothek und den Zentrumstagen sein 20-j\u00e4hriges Bestehen. Im Mittelpunkt des Festakts stand die Podiumsdiskussion zum Thema &#8222;Krise in der Friedens- und Konfliktforschung? Das Politische in der Wissenschaft&#8220;.<br \/>\n&#8222;Nie waren wir Politikerinnen und Politiker mehr auf die Expertise der Friedens- und Konfliktforschung angewiesen als heute&#8220;, sagte die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn im Videogru\u00df bei der Er\u00f6ffnung des Festakts. &#8222;Wir brauchen das Wissen, um aufkommende Krisen pr\u00e4ventiv anzugehen und angefachte gewaltsame Konflikte zu beenden. Eine Weiterentwicklung dieses Forschungsgebiets ist deshalb wichtig nat\u00fcrlich auch hier in Hessen.&#8220;<br \/>\nDas Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung arbeitet daf\u00fcr eng mit den Universit\u00e4ten Frankfurt, Gie\u00dfen und Darmstadt und dem Leibnitz-Institut &#8222;Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung&#8220; zusammen. Mit seinen erfolgreichen BMBF-Antr\u00e4gen lege es unter anderem einen Schwerpunkt auf die Profilsch\u00e4rfung im Umgang mit dem kolonialen Erbe.<br \/>\n&#8222;Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern f\u00fcr ihre hervorragende Arbeit&#8220;, erkl\u00e4rte Dorn. &#8222;In Ihrer Forschung ruht unsere Hoffnung auf L\u00f6sungen f\u00fcr ein friedliches Miteinander.&#8220;<br \/>\nDie gesch\u00e4ftsf\u00fchrende ZfK-Direktorin Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel hob in ihrem Gru\u00dfwort hervor: &#8222;Ich bin nicht nur voller Bewunderung f\u00fcr die ausgezeichnete Forschungsarbeit der Kolleginnen und Kollegen, sondern auch dankbar f\u00fcr die interessanten Lehrformate, die wir zusammen anbieten, und die engagierte Studierendenschaft, die innovative Projekte anst\u00f6\u00dft. Wichtig ist mir auch, dass am ZfK Menschen zusammenkommen, die mit gro\u00dfer Hingabe in der Friedens- und Konfliktforschung arbeiten und etwas bewegen m\u00f6chten, um diese Welt zu einem etwas friedlicheren Ort zu machen.&#8220;<br \/>\nUniversit\u00e4tspr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss betonte: &#8222;Friedens- und Konfliktforschung ist in Marburg ein zentrales Thema, denn die Besch\u00e4ftigung mit Konflikten ist immer von Relevanz. Die Erkenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung sind eine Basis f\u00fcr die Friedensf\u00e4higkeit.&#8220; An die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZfK appellierte er: &#8222;Stellen Sie sich weiterhin neugierig und entschlossen den Herausforderungen unserer Zeit!&#8220;<br \/>\nGr\u00fcndungsdirektor Prof. Dr. Ralf Zoll sagte beim Festakt: &#8222;Ein Alleinstellungsmerkmal der Universit\u00e4t Marburg ist, dass soziale und emotionale Intelligenz und Kreativit\u00e4t gef\u00f6rdert werden. Das bleibt auch bei der aktuellen Arbeit in der Friedens- und Konfliktforschung wichtig.&#8220;<br \/>\nIn der anschlie\u00dfenden Podiumsdiskussion unter dem Titel &#8222;Krise in der Friedens- und Konfliktforschung? Das Politische in der Wissenschaft&#8220; tauschten sich Bundestags-Vizepr\u00e4sidentin Aydan \u00d6zog?uz, Prof. Dr. Hans-Joachim Giessmann von der Berghof Stiftung sowie vom ZfK Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel, Prof. Dr. Thorsten Bonacker als stellvertretender gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor, Mdie Wissenschaftliche Mitarbeiterin iriam Tekath und f\u00fcr die studentische Perspektive die ehemalige Studentin Laura Kotzur als Teil des Redaktionsteams des Magazins &#8222;Uneins mit Dr. Mariam Salehi vom Zentrum f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universit\u00e4t Berlin zu der Frage aus, welche politische Wirkung Wissenschaft in der Politik haben kann oder soll und ob Wissenschaft politisch sein soll oder muss. &#8222;Viele der Grundannahmen der Friedens- und Konfliktforschung brechen im Augenblick weg&#8220;, sagte Giessmann. &#8222;Wir erleben eine Ver\u00e4nderung des Gef\u00fcges, in dem wir unsere Forschung betreiben. Und die Frage ist: Wie wird Wissen unter solchen Voraussetzungen produziert und was kann es bewirken?&#8220;<br \/>\nEr betonte die Spannung zwischen der Komplexit\u00e4t der Welt und dem Versuch der Wissenschaft, das abzubilden auf der einen Seite und der politischen Notwendigkeit von einfachen Antworten auf der anderen Seite. Als einen Kernpunkt formulierte er: &#8222;Die Dialogf\u00e4higkeit zwischen Politik und Wissenschaft muss erhalten bleiben!&#8220;<br \/>\nAls Spannungsfeld benannte Giessmann, dass Wissenschaft r\u00fcckblickend alles erkl\u00e4ren k\u00f6nne. &#8222;Aber in der strategischen Vorausschau ist die Forschung schwach.&#8220; Es sei wichtig, die Unw\u00e4gbarkeit, Unsch\u00e4rfe, mangelnde Prognosef\u00e4higkeit von Wissenschaft zu akzeptieren. &#8222;Wissenschaft muss unbequem bleiben&#8220;, res\u00fcmierte er.<br \/>\nBundestags-Vizepr\u00e4sidentin \u00d6zog?uz bezeichnete Wissenschaft als wichtige Basis f\u00fcr Debatten und Entscheidungen. Daf\u00fcr m\u00fcsse Wissenschaft zug\u00e4nglich sein, weshalb man sich mit der Frage besch\u00e4ftigen m\u00fcsse, wie wissenschaftliche Erkenntnisse auffindbar gemacht werden k\u00f6nnen. Doch Wissenschaft solle nicht die Rolle der Politik \u00fcbernehmen.<br \/>\n&#8222;Wissenschaftler*innen sollten nicht Politiker*innen sein&#8220;, betonte sie. &#8222;Politik muss mehr einbeziehen als Forschung allein.&#8220;<br \/>\nMit Blick auf den Krieg in der Ukraine sagte Bonacker: &#8222;Wir verf\u00fcgen \u00fcber viel theoretisches Wissen und k\u00f6nnen viele Konfliktentwicklungen &#8211; etwa in der Ukraine &#8211; sehr gut erkl\u00e4ren. Auch an Konzepten zur Beendigung der Gewalt mangelt es nicht. Aber die Konfliktparteien und in diesem Fall vor allem Russland m\u00fcssen auch selbst zu der Einsicht kommen, dass es besser ist, Konflikte ohne Gewalt auszutragen.&#8220;<br \/>\nZum Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Politik f\u00fchrte er aus: &#8222;Auf der einen Seite haben wir eine extreme Legitimierung wissenschaftlichen Wissens, und gleichzeitig eine sehr starke Delegitimierung etwa beim Thema Pandemie. Was wir daraus lernen, ist, dass wir der Gesellschaft vermitteln m\u00fcssen, dass Wissenschaft streiten kann und streiten muss.&#8220;<br \/>\nEs gebe Forschungsergebnisse, die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht werden m\u00fcssen. &#8222;Aber nicht jede Grundlagenforschung ist f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit interessant. Gleichzeitig hat Grundlagenforschung auch eine hohe Bedeutung f\u00fcr die Generierung von Anwendungswissen.&#8220;<br \/>\nDas Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung der Philipps-Universit\u00e4t wurde 2001 als zentrale und interdisziplin\u00e4re Einrichtung der Universit\u00e4t gegr\u00fcndet. Gr\u00fcndungsdirektor war der Soziologe Prof. Dr. Ralf Zoll. Die Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem auf der Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen und Prozessen der Friedenskonsolidierung nach massiver Gewalt, auf Intergruppenkonflikten, auf der Politik des internationalen State- und Peacebuilding in Nachkriegsgesellschaften sowie auf den Ursachen und Folgen von konfliktbedingter Flucht und Migration.<br \/>\nIm ZfK arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Gesellschaftswissenschaften, der Sozialpsychologie und den Rechtswissenschaften zusammen. Der Gr\u00fcndung des ZfK gingen die Arbeiten der Interdisziplin\u00e4ren Arbeitsgruppen f\u00fcr Friedens- und Abr\u00fcstungsforschung sowie die Einrichtung des bundesweit ersten Studiengangs f\u00fcr Friedens- und Konfliktforschung an der Philipps-Universit\u00e4t Mitte der 90er Jahre voraus. Die Gr\u00fcndung des ZfK 2001 diente dem Ziel, die Aktivit\u00e4ten der Philipps-Universit\u00e4t in Forschung und Lehre im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung zu b\u00fcndeln.<br \/>\nSeit seinen Anf\u00e4ngen steht die wissenschaftliche Reflexion \u00fcber Entstehung, Verlauf, Bearbeitung und Transformation von Konflikten im Mittelpunkt der Arbeit des ZfK. Das ZfK wuchs seitdem stetig &#8211; von einer Professur f\u00fcr Friedens- und Konfliktforschung zu mittlerweile circa 25 am ZfK t\u00e4tigen Wissenschaftler*innen. Dazu kommen noch 13 externe Doktorand*innen sowie Gastwissenschaftler*innen derzeit aus der T\u00fcrkei, S\u00fcdafrika, Zimbabwe, Rum\u00e4nien und Finnland.<br \/>\nAuch in der Lehre ist das ZfK einzigartig. F\u00fcr die 35 Pl\u00e4tze des deutschsprachigen Masterstudiengangs zur Friedens- und Konfliktforschung gehen j\u00e4hrlich mehrere hundert Bewerbungen ein. Im Sommersemester 2022 sind 187 Studierende in den Masterstudiengang eingeschrieben.<br \/>\nZudem gibt es einen englischsprachigen Masterstudiengang mit der Universit\u00e4t Kent. Das ZfK versteht sich als interdisziplin\u00e4re Einrichtung an der Schnittstelle von Lehre, Forschung und Wissenstransfer im Feld der Friedens-<br \/>\nund Konfliktforschung. Durch die auf dialogisches Lernen fokussierte Lehre sollen Studierende dazu bef\u00e4higt werden, Konflikte systematisch zu analysieren und zu ihrer friedlichen Bearbeitung beizutragen.<br \/>\nDurch die Erforschung und Vermittlung von Wissen zu komplexen Dynamiken von Konflikten und Friedensprozessen in unterschiedlichen Gesellschaften und Weltregionen will das ZfK zu einem besseren Verst\u00e4ndnis \u00fcber Konfliktursachen und nachhaltigen Friedensprozessen beitragen. Dazu wird die Forschung des ZfK in der \u00d6ffentlichkeit sowie mit verschiedenen politischen, zivilgesellschaftlichen und von Konflikten betroffenen Akteur*innen diskutiert. Der Transfer von Forschungsergebnissen, anwendungsbezogene Forschung sowie Beratung spielen eine wichtige Rolle, um aktiv zur Pr\u00e4vention und Transformation von Konflikten beizutragen.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wissenschaft muss unbequem bleiben.&#8220; Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion beim Festakt zum 20-j\u00e4hrigen Bestehen des Zentrums f\u00fcr Konfliktforschung.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,2],"tags":[169,4196,4225],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2DU","jetpack-related-posts":[{"id":10093,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=10093","url_meta":{"origin":10162,"position":0},"title":"Friedliche Politik: Debatte zur Krise in der Konfliktforschung","date":"9. 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