{"id":10082,"date":"2022-07-07T16:43:58","date_gmt":"2022-07-07T14:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10082"},"modified":"2022-07-07T16:43:58","modified_gmt":"2022-07-07T14:43:58","slug":"unterschiedliche-haftungsschaeden-juristische-debatte-ueber-kuenstliche-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10082","title":{"rendered":"Unterschiedliche Haftungssch\u00e4den: Juristische Debatte \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;K\u00fcnstliche Intelligenz ist ein Begriff aus dem Marketing&#8220;, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Thomas Riehm von der Universit\u00e4t Passau. Techniker spr\u00e4chen eher von &#8222;Maschinellem Lernen&#8220;. <!--more--><br \/>\nBei der interdisziplin\u00e4ren Tagung &#8222;Qualit\u00e4t K\u00fcnstlicher Intelligenz: Bewertung, Sicherung, Anwendungsbeispiele&#8220; des Instituts f\u00fcr das Recht der Digitalisierung der Philipps-Universit\u00e4t sprach Riehm am Donnerstag (7. Juli) im &#8222;Congresszentrum&#8220; im Rosenpark \u00fcber das Haftungsrecht in Bezug auf Algorithmen. Selbstlernende Computerprogramme stellten die Rechtsprechung vor zahlreiche neue Fragen, die l\u00e4ngst noch nicht alle beantwortet sind. Allerdings sprach sich er Jurist daf\u00fcr aus, die Antworten gr\u00f6\u00dftenteils mit den vorhandenen rechtlichen Regelungen zu beantworten.<br \/>\nDie sogenannte &#8222;K\u00fcnstliche Intelligenz&#8220; (KI) als eigenes Rechtssubjekt zu betrachten, lehnte er weitgehend ab. Zum Einen sei ein Algorithmus f\u00fcr Fehler nur schwer selbst haftbar zu machen; zum Zweiten f\u00fchre das auch bei den meisten haftungsrechtlichen Problemen nicht wirklich weiter. Stattdessen pl\u00e4dierte Riehm f\u00fcr die &#8222;Gef\u00e4hrdungshaftung&#8220;, die denjenigen f\u00fcr die Sch\u00e4den einer Technik haftbar macht, der si in die Welt setzt.<br \/>\nAllerdings sei bei selbst lernenden Computerprogrammen auch das schwierig, da sie sich oft durch eine Vielzahl von Daten immer weiterentwickeln und dann zu oft unvorhersehbaren Ergebnissen kommen k\u00f6nnten. Mitunter sei dabei auch von Bedeutung, welche Datens\u00e4tze ein System eingegeben bekommt. Daf\u00fcr k\u00f6nnten eventuell auch diejenigen haftbar sein, die diese Datens\u00e4tze ausw\u00e4hlen.<br \/>\nEine m\u00f6gliche L\u00f6sung sieht Dr. Erik Weiss von der Universit\u00e4t K\u00f6ln in einer Zertifizierung. In einem interdisziplin\u00e4ren Team erarbeitet er derzeit die daf\u00fcr notwendigen Fragestellungen. Eine Zertifizierung &#8222;K\u00fcnstlicher Intelligenz&#8220; k\u00f6nne Vorbehalte abbauen und Vertrauen schaffen, erkl\u00e4rte er.<br \/>\nDas sei nicht nur im Sinne des Verbraucherschutzes, sondern auch im Eigeninteresse der Anbieter und Anwender. Allerdings m\u00fcsse eine Zertifizierung nicht nur unterschiedlichste Fragen von den m\u00f6glichen Folgen eventueller Fehlleistungen der Software kl\u00e4ren, sondern beispielsweise auch, wann nach einer wesentlichen \u00c4nderung der Software eine erneute \u00dcberpr\u00fcfung erforderlich wird. Allerdings gibt es laut Riehm viele Anwendungsbereiche Maschinellen Lernens, wo ein bestimmter Stand f\u00fcr die Anwendung &#8222;eingefroren&#8220; wird und wo deshalb nur bei einem Update eine erneute Zertifizierung n\u00f6tig wird.<br \/>\nIn einer lebhaften Diskussion unter der Moderation des Veranstalters Prof. Dr. Florian M\u00f6slein wurden zwei Gesetzgebungsvorhaben der Europ\u00e4ischen Union (EU) zur &#8222;KI&#8220; genannt. W\u00e4hrend das &#8222;KI-Gesetz&#8220; aus den Reihen des EU-Parlaments bislang noch wenig ausgereift und eher nebul\u00f6s sei, gehe der Kommissionsentwurf f\u00fcr ein EU-Haftungsrecht nach Riehms Einsch\u00e4tzung &#8222;in die richtige Richtung&#8220;. Allerdings herrsche derzeit noch eine &#8222;Regelungsl\u00fccke&#8220;, die zur Ausarbeitung geeigneter Zertifizierungsmethoden mit Hilfe der bereits bestehenden Zertifizierungsorganisationen genutzt werden k\u00f6nne.<br \/>\nEine Podiumsdiskussion mit Praktikerinnen und Praktikern aus der Entwicklung und \u00dcberwachung der &#8222;KI&#8220; lenkte den Blick dann noch st\u00e4rker auf die bereits bestehenden Ans\u00e4tze und Fragestellungen. Filiz Elmas vom Deutschen Institut f\u00fcr Normung (DIN), die schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Marit Hansen, Dr. Sebastian Hallensleben vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik und Prof. Dr. Martin Hirsch vom Institut f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz am Universit\u00e4tsklinikum Marburg beleuchteten das Thema aus der Perspektive konkreter Anwendungen.<br \/>\nHansen erw\u00e4hnte den &#8222;selbst lernenden Staubsauger&#8220;, der bei seiner Arbeit Grundrisse und sogar Videos der jeweiligen Wohnung an den Hersteller \u00fcbermittelt, der damit problematische Einblicke in intimste Bereiche der Anwenderinnen und Anwender erh\u00e4lt. Im Falle von Tracking-Apps, die Gesundheitsdaten Sport treibender Soldaten \u00fcbermittelt haben, habe das sogar einen Angriff auf deren St\u00fctzpunkt erleichtert. Datenschutz m\u00fcsse deshalb ein wichtiges Kriterium bei jeder Zertifizierung sein.<br \/>\nHirsch nannte &#8222;Argumentationsf\u00e4higkeit&#8220; als weiteres Kriterium. Als Entwickler medizinischer Apps halte er es f\u00fcr wichtig, die inhaltlichen Gr\u00fcnde nachvollziehen zu k\u00f6nnen, warum eine &#8222;KI&#8220; eher diese als jene L\u00f6sung bevorzugt. Dabei sei nicht der Rechenweg wichtig, sondern die inhaltliche Begr\u00fcndung.<br \/>\n&#8222;Als Arzt erkl\u00e4re ich den Patienten ja ach nicht, dass das Problem \u00fcber den Vorderen Cortex in den Hypothalamus und dann weiter ins Sprachzentrum gelangt ist, von wo aus es meine Zunge steuert&#8220;, erl\u00e4uterte er. Ebensowenig interessiere die Anwenderinnen und Anwender, wie eine &#8222;KI&#8220; arbeitet. Wichtig sei ihnen vielmehr, ihre Ergebnisse verstehen und selber mit eigenen Argumenten entkr\u00e4ften oder erh\u00e4rten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nLediglich in einem Bereich sieht Riehm einen Sinn, sogenannter &#8222;K\u00fcnstlicher Intelligenz&#8220; eine eigene Rechtsf\u00e4higkeit zuzusprechen: Wenn sie Fonds auf der Basis von Algorithmen verwalte und somit auch \u00fcber eigenes Geld verf\u00fcge, dann k\u00f6nne sie juristisch genauso behandelt werden wie eine Gesellschaft, die von nat\u00fcrlichen Personen geleitet wird. Wenn der Fonds so ins Handelsregister eingetragen sei und seine Kundschaft das wisse, dann sei dagegen wohl wenig einzuwenden.<br \/>\nAlle straf- und verfassungsrechtlichen Fragen k\u00f6nne man nach Riehms Ansicht mit den bestehenden rechtlichen Reglungen l\u00f6sen. &#8222;Diskriminierung ist nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verboten; und dabei spielt es keine Rolle, ob sie durch Computerprogramme oder Menschen erfolgt&#8220; erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;K\u00fcnstliche Intelligenz ist ein Begriff aus dem Marketing&#8220;, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Thomas Riehm von der Universit\u00e4t Passau. 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