{"id":10051,"date":"2022-07-02T11:52:22","date_gmt":"2022-07-02T09:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=10051"},"modified":"2022-07-02T11:52:22","modified_gmt":"2022-07-02T09:52:22","slug":"ikek-von-der-scheune-zum-wohnhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=10051","title":{"rendered":"IKEK: Von der Scheune zum Wohnhaus"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber &#8220; IKEK&#8220; k\u00f6nnen Menschen jetzt einen Zuschuss f\u00fcr Sanierung, Um- und Neubau in Marburgs D\u00f6rfern beantragen. Damit m\u00f6chte die Stadt alte Geb\u00e4ude neu beleben. <!--more--><br \/>\nVon der Scheune zum Wohnhaus: Diesen Wunsch hat sich der Ortsvorsteher von Ronhausen mittels IKEK-F\u00f6rderung erf\u00fcllt. Noch bis Ende 2023 k\u00f6nnen alle, die ein Grundst\u00fcck, ein Geb\u00e4ude oder eine Hofanlage in einem Au\u00dfenstadtteil von Marburg haben, Zusch\u00fcsse f\u00fcr Sanierungen, Um- oder Neubauten beantragen. Uwe Rauch berichtet von seinem ganz pers\u00f6nlichen Prozess von der ersten Idee bis zum neuen Heim.<br \/>\nL\u00e4chelnd steht Rauch in seinem lichtdurchfluteten Wohnraum in dem Dorf in Marburgs S\u00fcden. Dass dies einmal eine Scheune gewesen ist, scheint schwer vorstellbar. Nur die alten Holzbalken mit den originalen Steckklammern aus Metall sowie die Sandsteinmauern, die im unteren Teil der Wohnzimmerw\u00e4nde noch zu sehen sind, sind noch Anzeichen davon, wie es fr\u00fcher in der Scheune ausgesehen hat.<br \/>\n&#8222;Ich wollte eine Mischung aus alt und modern&#8220;, erl\u00e4uterte Rauch dazu. Die Scheune geh\u00f6rte zum landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern. Links der Scheune waren die Getreidem\u00fchle und -lager. Rechts die Stallungen f\u00fcr K\u00fche und Schweine.<br \/>\n&#8222;Auf diesem Hof bin ich gro\u00df geworden&#8220;, sagte Rauch. &#8222;Mit diesem Ort verbinde ich viele Erinnerungen.&#8220;<br \/>\nNoch bis vor zehn Jahren lagen Heu und Stroh in dem Geb\u00e4ude. Im Mai 2017 starteten dann die ersten Arbeiten, aber angefangen hat alles eigentlich noch viel fr\u00fcher.<br \/>\nRauch ist in Ronhausen aufgewachsen. Viele Jahre war er unterwegs, bis er schlie\u00dflich im Jahr 2013 zur\u00fcck in seine Heimat kehrte.<br \/>\n&#8222;Den Gedanken, die Scheune in ein Wohnhaus umzubauen, hatte ich schon lange&#8220;, erinnerte er sich. Wie genau er das umsetzen k\u00f6nnte, wusste er zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht.<br \/>\nSeit 2016 engagiert sich Rauch im Ortsbeirat Ronhausen, seit 2021 ist er Ortsvorsteher. W\u00e4hrend einer der Ortsbeiratssitzungen erfuhr er von dem Dorfentwicklungskonzept &#8222;IKEK&#8220; f\u00fcr die 15 Marburger Au\u00dfenstadtteile, das 2014 startete.<br \/>\nDie Idee, die alte Scheune in ein Wohnhaus umzubauen, wurde real. &#8222;Als ich von IKEK erfuhr, war das der perfekte Zeitpunkt&#8220;, erl\u00e4uterte Rauch. &#8222;Es passte einfach alles zusammen.&#8220;<br \/>\nSo ging es 2016 auch schon mit der konkreten Planung los. Etwa drei Monate nahm der Planungsprozess in Anspruch. Wichtig sei seiner Erfahrung nach, sich von guten Architekt*innen beraten zu lassen.<br \/>\nDabei k\u00f6nnen sich F\u00f6rderantragsstellende eigene Architektinnen und Architekten suchen oder auf eines der vier Architekturb\u00fcros von IKEK zur\u00fcckgreifen. Die Beratung ist f\u00fcr Antragsstellende unverbindlich und kostenlos. Interessierte sind eingeladen, sich f\u00fcr eine erste bauliche und f\u00f6rdertechnische Beratung an die Mitarbeitenden vom Fachdienst Stadtplanung und Denkmalschutz der Stadt Marburg oder des Fachdienstes Kreisentwicklung des Landkreises Marburg-Biedenkopf zu wenden.<br \/>\nDer Austausch und die gemeinsame Planung waren f\u00fcr Rauch die wichtigsten Schritte im Prozess . Nur Experten w\u00fcssten realistisch einzusch\u00e4tzen, was technisch \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, betonte Rauch. Schlie\u00dflich seien beispielsweise Boden und Mauern einer Scheune nicht darauf ausgerichtet, als Wohnhaus genutzt zu werden.<br \/>\nStatik spiele dabei eine gro\u00dfe Rolle, wenn der Bau am Ende nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen soll. Da die Scheune in ihren Grundmauern von 1859 ist, galt es nat\u00fcrlich auch den Denkmalschutz bei den Planungen mit einzubeziehen.<br \/>\n&#8222;Aus den Abstimmungen mit der Unteren Denkmalschutzbeh\u00f6rde der Stadt Marburg entstand eine wirklich sehr sch\u00f6ne Zusammenarbeit&#8220;, berichtete Rauch. &#8222;Ich habe mich in meinen Ideen nie eingeschr\u00e4nkt gef\u00fchlt. Stattdessen ging es immer darum, wie man Dinge m\u00f6glich machen und m\u00f6glichst viel der Originalerscheinung erhalten kann.&#8220;<br \/>\nRauch erg\u00e4nzte: &#8222;Die Kommunikation mit der Stadt- und Kreisverwaltung empfand ich als durchweg konstruktiv.&#8220; Sobald der Genehmigungsbescheid der Bauma\u00dfnahmen sowie der F\u00f6rderbescheid von IKEK da sind, kann gestartet werden.<br \/>\nAuch die Planung wird gef\u00f6rdert. Wichtig sei immer, dass vor Beginn der Umsetzung der einzelnen handwerklichen und bautechnischen Arbeiten je drei Angebote von Bau- und Handwerksfirmen eingeholt und dem Fachteam Regionalentwicklung beim Landkreis zur Pr\u00fcfung vorgelegt werden.<br \/>\nLos ging es im Mai 2017 erst einmal mit dem Abriss der Nebengeb\u00e4ude. &#8222;Das war ein riesen Spektakel mit Bagger und Kr\u00e4nen&#8220;, erinnerte sich Rauch. Dann ging es an die Scheune selbst heran.<br \/>\nDie Tenne im oberen Teil wurde entfernt. Ab August wurde der Lehmboden ausgeschachtet. Das Heiz\u00f6llager wurde in das Wohnhaus versetzt, besch\u00e4digte Bauelemente entfernt und derlei Arbeiten erledigt.<br \/>\nAls n\u00e4chstes wurden oben bereits die Bodenplatte aus Holz eingesetzt, die W\u00e4nde verst\u00e4rkt und die Versorgungsleitungen gelegt. Die Fu\u00dfbodendeckung im Erdgeschoss wurde mit Schotter und Beton aufgebaut und die W\u00e4nde ausgebaut.<br \/>\nIm Fr\u00fchjahr 2018 war dann auch die mit L\u00e4rchenholz verschalte Au\u00dfenfassade fertig. Das sei &#8222;ein echter Meilenstein&#8220;, findet Rauch, denn so war das Haus nun von au\u00dfen gegen s\u00e4mtliche Wettereinfl\u00fcsse gesch\u00fctzt.<br \/>\nDer letzte Handschlag sei dann die Verlegung des Fu\u00dfbodens gewesen. Im August 2018 war es dann soweit: Rauch bezog sein neues Eigenheim.<br \/>\nEinige Arbeiten standen dennoch an wie zum Beispiel die Pflasterung und die Terrasse. Im Sommer 2019 war dann alles fertig. Allerdings findet ein Hausbesitzer immer kleinere Projekte, um es sich noch heimeliger zu machen.<br \/>\nNach insgesamt drei Jahren Umbauzeit ist Uwe Rauch um einige Erfahrungen reicher und teilt sein Wissen gerne mit k\u00fcnftigen Interessierten am F\u00f6rderprogramm. Dabei betont er, dass eine gute Planung sowie die st\u00e4ndige \u00dcberpr\u00fcfung und Ber\u00fccksichtigung von \u00c4nderungen das A und O seien.<br \/>\n&#8222;Es ist wichtig, zu akzeptieren, dass die Grundstruktur des Geb\u00e4udes bestimmt, was m\u00f6glich ist&#8220;, riet Rauch. &#8222;Das hei\u00dft, bei einem solchen Projekt muss man den Fokus auf die Machbarkeit von Ideen legen.&#8220;<br \/>\nEs gehe darum zu nutzen, was die Struktur bereits hergibt. So lie\u00df Rauch beispielsweise gro\u00dfe Fensterfronten einsetzen, wo fr\u00fcher die Scheunentore waren. An anderen Stellen waren Kompromisse n\u00f6tig.<br \/>\nDiese Kompromisse sind seiner Meinung nach immer noch besser als die Alternative, das Geb\u00e4ude leer stehen und verfallen zu lassen. &#8222;Der Geist von IKEK ist es ja, alte Geb\u00e4ude neu zu beleben&#8220;, sagte er. Dabei sei es wichtig, im Hinblick auf die Kosten mit einem Puffer f\u00fcr unvorhergesehene Dinge, wie zum Beispiel gestiegene Rohstoffpreise, zu kalkulieren.<br \/>\n&#8222;Ohne die F\u00f6rderung von IKEK w\u00e4re dies alles nicht m\u00f6glich gewesen&#8220;, betonte Rauch. &#8222;Ich h\u00e4tte das nicht alleine stemmen k\u00f6nnen.&#8220; Und sein letzter Tipp lautet: &#8222;Man muss beim Bau gelassen sein oder zumindest es versuchen.&#8220;<br \/>\nNeben Sanierungen, Um- und Neubauten f\u00f6rdert IKEK viele weitere Projekte, um die Dorfentwicklung voranzutreiben. So gibt es beispielsweise Praxisworkshops zu Arbeiten mit Lehm, Kalkputz oder Holz. Weitere Workshops sind in Vorbereitung.<br \/>\nDas &#8222;Digitale B\u00fcrgerhaus&#8220; wurde eingerichtet von der IKEK-Gruppe &#8222;AG Ehrenamt&#8220; in Zusammenarbeit mit der Stadt Marburg. Das &#8222;Digitale B\u00fcrgerhaus&#8220; kann von allen Vereinen und Gruppierungen kostenfrei f\u00fcr Zusammenk\u00fcnfte aller Art genutzt werden.<br \/>\nDie Veranstaltungsreihe &#8222;Mitmachen im Dorf&#8220; brachte die Menschen zusammen, um zu besprechen, wie sie gemeinsam das Dorf beleben k\u00f6nnen und was ihnen in ihrem Stadtteil fehlt. Auch dabei ist die &#8222;AG Ehrenamt&#8220; sehr aktiv.<br \/>\nWeitere Stadtteil\u00fcbergreifende Veranstaltungen und gemeinsame Aktionen sind geplant. F\u00fcr eine nachhaltige Vernetzung der Stadtteile untereinander und zur Kernstadt, hat die IKEK-Gruppe &#8222;AG Mobilit\u00e4t und Versorgung&#8220; mit engagierten Menschen aus Ginseldorf, Elnhausen, Dagoberthausen und Moischt das Pilotprojekt &#8222;B\u00fcrger-Carsharing&#8220; ins Leben gerufen.<br \/>\nHinter der kleinen Abk\u00fcrzung &#8222;IKEK&#8220; steckt eine ganze Menge drin. Sie steht f\u00fcr &#8222;Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept&#8220;. Dabei geht es im Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen darum, (Bau-)Ma\u00dfnahmen in den Ortskernen zu f\u00f6rdern, die zum Erhalt oder zur Weiterentwicklung der Struktur beitragen. Solche Ma\u00dfnahmen umfassen beispielsweise die Modernisierung der B\u00fcrgerh\u00e4user, den Bau von Mehrgenerationenpl\u00e4tzen, die Umgestaltung von Gr\u00fcn- und Freifl\u00e4chen oder Angebote verschiedener Workshops und Aktionen.<br \/>\nZudem k\u00f6nnen alle, die ein Grundst\u00fcck, ein Geb\u00e4ude oder eine Hofanlage in einem der 15 Marburger Au\u00dfenstadtteile besitzen, Antr\u00e4ge auf Zusch\u00fcsse zu Sanierungen, Um- oder Neubauten stellen. Die F\u00f6rderungssumme steigt seit Jahren stetig an. Bis zu 45.000 Euro k\u00f6nnen Antragsstellende pro Objekt maximal erhalten sowie f\u00fcr Kulturdenkm\u00e4ler sogar maximal 60.000 Euro.<br \/>\nF\u00f6rderantr\u00e4ge k\u00f6nnen noch bis Ende 2023 gestellt werden. Weitere Informationen gibt es bei Rose Michelsen im Fachdienst Stadtplanung und Denkmalschutz der Universit\u00e4tsstadt Marburg unter der Rufnummer 06421\/201-1625 oder per Mail an rose.michelsen@marburg-stadt.de. Ausk\u00fcnfte zu den F\u00f6rdermodalit\u00e4ten erteilt bei Stefanie Auer beim Fachdienst Kreisentwicklung des Landkreises Marburg-Biedenkopf unter 06421\/405-6131 sowie per Mail an AuerS@marburg-biedenkopf.de.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber &#8220; IKEK&#8220; k\u00f6nnen Menschen jetzt einen Zuschuss f\u00fcr Sanierung, Um- und Neubau in Marburgs D\u00f6rfern beantragen. 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