„LeafIt!“ macht weniger Bildschirmzeit zur Gruppenchallenge. Die App gelangte von Marburg ins Computerspielemuseum.
Die Mental-Health-App wird nach Game Jam beim Deutschen Psychotherapie-Kongress in Berlin präsentiert. Ihr Ziel ist weniger Bildschirmzeit und mehr gemeinsames Erleben: Die App „LeafIt!“ macht die Reduktion unnötiger Bildschirmzeit zur Gruppenchallenge. Die Anwendung ist aus der „Youth Mental Health Infrastruktur“ (YMH-INF) des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) am Standort Marburg hervorgegangen.
Jugendliche können sich dabei etwa als Schulklasse gemeinsam Ziele setzen, ihre Bildschirmzeit reduzieren und sich mit anderen Gruppen vergleichen. Gleichzeitig können sie individuelle Ziele festlegen und neben ihrer Bildschirmzeit auch ihr Wohlbefinden dokumentieren. „Die Challenge ist vergleichbar zum „Stadtradeln“, wo sich Menschen zusammenschließen, um ein bestimmtes Ziel, etwa ein hohe Kilometerzahl mit dem Rad, zu erreichen“, sagt Dr. Martina Dort, Leiterin der YMH-INF des DZPG an der Philipps-Universität Marburg.
Zum spielbaren Prototyp wurde die Idee beim ersten Mental Health Game Jam des 5. Deutschen Psychotherapie Kongresses (DPK), der im Juni in Berlin unter Kongresspräsidentschaft von Prof. Dr. Hanna Christiansen von der Philipps-(Universität Marburg und Prof. Dr. Cornelia Weise von der Universität Erlangen stattfand. In einem 48-stündigen Entwicklungsprozess arbeiteten Konferenzteilnehmende zusammen. LeafIt! gehörte zu den ausgezeichneten Projekten; mit LeafIt! und OMOI wurden gleich zwei Projekte prämiert, die aus Aktivitäten des DZPG hervorgegangen sind.
„Ich freue mich besonders, dass LeafIt! zeigt, was entstehen kann, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen: Forschende, junge Menschen, Praktikerinnen und Praktiker sowie Entwicklerinnen und Entwickler haben beim Kongress gemeinsam an einer Idee gearbeitet und sie in kurzer Zeit in ein spielbares Format übersetzt“, erklärte Uni-Präsident Prof. Dr. Thomas Nauss. „Dass das Spiel nun auch außerhalb der Wissenschaft auf Interesse stößt, ist ein schönes Beispiel für gelungenen Wissenstransfer.“
Der nächste Schritt führt nun ins Computerspielemuseum Berlin: Am Mittwoch (2. September) wurde dort die Dokumentation des Mental Health Game Jams übergeben. LeafIt! wird künftig im Bereich „Games und Gesundheit“ präsentiert. „Damit erreicht die in Marburg entwickelte Idee ein Publikum außerhalb von Forschung und Fachöffentlichkeit und zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in lebensnahe digitale Formate übersetzt werden können“, sagt Prof. Dr. Hanna Christiansen, Leiterin des DZPG am Standort Marburg.
Die Entwicklung soll weitergehen. Unterstützt von Holger Sommerlad vom Gründerzentrum MAFEX der Uni Marburg will das Team um Dr. Martina Dort eine EXIST-Gründungsstipendium einwerben, um LeafIt! technisch und inhaltlich weiterzuentwickeln. Langfristiges Ziel ist, die App über die YMH-INF des DZPG kostenfrei zugänglich zu machen und auch die weitere Entwicklung gemeinsam mit Jugendlichen zu gestalten. „Der Weg von der partizipativen Forschung über den Game Jam bis ins Museum zeigt dabei beispielhaft, wie wissenschaftliche Kongresse zu Orten werden können, an denen nicht nur Wissen ausgetauscht, sondern auch neue Anwendungen entwickelt werden“, sagte Christiansen.
* pm: Philipps-Universität Marburg